Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1297506
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Oberitalien. 
Drittes Buch. 
Die bologner Schule. 
fael's und Coregglifs Vorzug gesprochen; möchte doch 
da als Dritter ein neuer Borghini eingetreten seyn, dies Ge- 
sprach niedergeschrieben und der Nachwelt hinterlassen haben!  
Im Verlauf der Jahre wurde Cignani berühmter als Pasi- 
nell-i; dennoch hatte auch der Letzte manches, warum ihn 
Cignani beneiden konnte; und es war sehr klug von Beiden, 
dass jeder sich mit dem Seinigen begnügte, den Nebenbuhler 
lobte und jener Eifersucht sich enthielt, die stets an Künstlern 
und Gelehrten etwas Kleinliches hat. So verbanden sich denn bei 
Stiftung der clcmcntinischen Akademie die Schüler beider Mei- 
ster leicht, dem neuen Verein zu dienen, und unterwarfen sich 
gern dem Cignani, der durch päpstliches Anstellungschrei- 
ben ihr Haupt ward. Von da an blieb Cignani's Styl ob- 
herrschend; doch gingen auch neue, aus zwei oder nlchrern Ma- 
nieren zusammengesetzte, gleichsam volkthümliehe daraus hervor. 
Jeder Styl daselbst hat etwas Caraccisches, weil die Jünglinge 
damit begannen, die Arbeiten der drei Brüder zu zeichnen; 
in manchem Maler ist wol zuviel von den Caracci und den 
übrigen bessern Meistern; denn man sieht Figuren aus diesem 
oder jenem Alten entlehnt und daraus ein Gemeng zusammen- 
gesetzigwie in der Dichtkunst zuweilen aus Versen eines oder 
mehrerer Dichter. Mittels der" Gypsabgüsse, welche die Aka- 
demie erhielt, gewann, das Studium des Idealschönen z) in 
diesem Zeitranme. Das Colcrite wurde nicht vernachlässigt; 
doch kam anfangs "eine Behandlung auf, wodurch die Schat- 
ten stärker und rostfarbig  geworden sind; und gegen die 
Mitte hin kamen die falschen und willkürlichen Farben auf, 
die nun fortwährend ihre Liebhaber behielten. Dies Misge- 
schick aber hatte die bologner Schule nicht allein. Balestrß 
beklagt in einem Briefe von 1733„ im 2ten Th. der Lett. pittmu, 
den Verfall aller Schulen Italiens, als die sich in schlechte Me- 
DE: ist wol ehe; recht gut,.da.ss man nichi wpiss, was Pasinell0 
und Cignuni mit Einander gesprochbxx und über Coreggio und 
Raffael geurtheilt haben; denn wer des Coreggio Frohsinn mit 
caxaccischer Kälte, umLRaffaePs ganz von Geist durchdrungeue 
und ausgebildete Vferke mit PaulVero nesew breiter und pracht- 
liebender Blnnier.verbinden-möchte, kann wul nicht viel Vernünfti- 
        
2) Gegen das, _wn,s Lanzi das Iwleßlsclnöne nennt, haben wir uns 
ichon oft genug hrklärt."      Q.
        

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