Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1297487
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Oberitalien. 
Drittes Buch. 
Die bologner Schule. 
ihm gehandelt haben und sein Name in Malerzimmern bis auf 
heutigen .Tag gäng und gebe ist. In einer holden Verirrung 
seiner Phantasie bildete sich dieser Mann ein, er sei Maler; 
wie jener Alte bei Horaz sich reich und Herr aller Schiffe 
wähnte, die in Athens Hafen einliefen. Seine grüsste Ge- 
schicklichkeit war, Kreuze für die Eckgebiiude zu machen und 
Schranken zu firnissen. Hierauf fing er an Landschaften in 
Leimfarben zu malen, wo in ungeheuern Misverhältnissen die 
Hiiuserikleiner als die Menschen, diese kleiner als die Schafe, 
und diese noch kleiner, als die Vögel, waren. Beliebt in seiner 
Gegend, verliess er, auf einer grössern Bühne zu prunken, seine 
Berge und ging nach Bologna, eröffnete dort ein Haus und 
bat die Caracei, die allein ihm etwas mehr, als er, zu wissen 
schienen, um einen Jüngling, der in seiner Werkstatt unterrich- 
tete. Lionello Spada, ein höchst witziger Kopf, ging hin 
und malte einige Zeit die Zeichnungen nach, ja gehahrte sich 
gegen ihn, wie gegen einen Meister. Als er aber dem Spass 
ein Ende machen zu müssen glaubte, hinterliess er ihm im 
Zimmer einen sehr schönen Lucretiakopf, den er gemalt hatte, 
und schlug über dem Eingange einige Octaven zum Lobe, d. h. 
zum Hohne Capugnano's an. Der Dummbart beklagte 
sich über Lionello, als einen Undankbaren, der in so skur- 
zer Zeit mit Hülfe seiner Zeichnungen so gut malen gelernt 
habe und nun ihm so schlecht vergelte; aber die Caracci 
entdeckten ihm endlich den ganzen Spass; dies war gleichsam 
die Nieswurz, die ihn heilte. ln einigen Sammlungen B0- 
lognais hat man seine Gemälde als Stücke aufgehoben, die 
zur Kunstgeschichte gehören 69) und, obwol sie ganz ernsthaft 
gemeint sind, wie jedes mielsehe oder cerquozzisehe Zerr- 
bild unterhalten. Wer Lust hat, ein zweites Muster von Dumm- 
heit in der Malerei kennen zu lernen, lese Crespi S. 141, 
wo ein Pietro Galle tti erwähnt wird, der, ebenfalls über- 
zeugt, ein geborner Maler zu seyn, den lllalereibeilisgßnen zum 
Spott diente, die ihm feierlich im Keller eines Klosters in 
ihre Kunst aufnahmen. 
Letlere pillariolm. 
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