Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1296044
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Oberitalien. 
DriHeS 
Buch. 
knechtete ihrem Häuptling nach, und konnte sich nur in dem 
Theile hervortlnm, worin er alle übertroffen hatte. Aber dies 
Sichhervorthim hiess bei diesen Künstlern nichts, als dieselben 
Figuren willkürlich auiliilliger, oder Vfertiger nachmalen, oder 
doch mindestens ungchörigen Orts anbringen. Die Raffaeli- 
sten schweiften überall im idealen 2), die Michelangelisten 
im Anatomischen aus; unstatthafte Lebhaftigkeit und unstatt- 
hafte Verkürzung kehrte in jedem ruhiger zu haltenden Stoffe 
bei Venedigern und Lombarden wieder. 
Einige zwar, wie wir jedesmal bemerkten, tauchten aus 
dem gemeinen Yorurtheile, wie aus einem über Italien han- 
gendcn Nebel, auf und studirten auswärtige Meister, um aus 
jedem die schönste. Blume zu pflücken; und vor allen gaben 
hierin die Campi in Cremona sehr gute Muster. Doch un- 
gleich an Gelehrsamkeit und Geist, in mehrere Schulen ge- 
theilt, durch besondere Zwecke getrennt, gewohnt, ihre Zög- 
linge nur die Bahn zu führen, die sie selbst verfolgten, und 
überdies stets in die Gränzen ihrer Landschaft eingeengt, lehr- 
ten, oder verpllanzten sie wenigstens die wahrhafte und löb- 
liche ßachahmungsiveise in Italien nicht. Diese Ehre war Bo- 
logna vorbehalten, dessen Bestimmung zu lehren war, wie 
Roms zu herrschen; und dies war nicht WVerk einer Akademie, 
sondern eines Hauses. Die Familie Caraeci, reich an geist- 
vollen„einmüthigen, mehr auf die Geheimnisse, als den Sold 
der Malerei gerichteten Gliedern fand den Weg der Nnehab. 
mung, verkündete ihn zuvörderst der benachbarten Romagna, 
hierauf dem übrigen Italien, das nun in kurzem von einem 
Meere bis zum andern allenthalben davon voll war. Der In- 
begriff ihrer Lehre War, der Maler müsse, so zu sagen, zwi- 
schen Natur und Kunst mitten inne stehen, abwechselnd bald 
diese, bald jene beschauen, und je nach der ihm verliehenen 
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2) Unter Idealen sind bei Lanzi niemals jenelUrbilder der Dinge, 
wie sie in der srhalfenden Phantasie des Künstlers ruhen, welche 
immer mit defNatnr, wo sie am ungestfirteslen das Vdllkonlmenste 
hervorbringt, übereinstimmen, sondern jene willkürlichen Zerrbilder 
zu verslehu, die den Naturgesetzen widersprechen, von einer gesun- 
de" Phantasie verworfen werden, nur einem Modegesrhmack zusagen 
unrl die Cavicaiuren des Schönen sind, das in den Werken der Na- 
tur und grossei- Künstler in edler Einfalt sich darlegt. Q. 
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