Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1297268
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Oberitalien. 
Drittes Buch. 
Die bologner Schule. 
einer Glorie darzustellen, sondern crsann eine Erscheinung, 
in Iwelchcr der heilige Lehrer, in seine Forschungen vertieft, 
von dem schon seligen Evangelisten Unterweisung in der Theo- 
logie erhielt. Sein berühmtestes Gemälde aber ist in S. Do- 
lnenieo der Heilige, der einen Todten erweckt, ein Bild vol- 
ler Figuren, die in Gesichtern, Bewegungen und Anzug verschie- 
den sind, und worin alles auserlesen ist. Lodovico staunte 
es an und sagte, er wisse nicht, welcher damalige Meister mit 
'l'iarini verglichen werden könne. Zwar hielt er in diesem 
Bilde, wo er mit Spada wetteiferte, den Farbenton etwas 
höher und mied jede gemeine Form; zwei Momente, die, wenn 
er sie in allen Arbeiten beobachtet hätte, wol keinem Bologncr 
sich über ihn zu erheben gestattet hätten. Er lebte neunzig 
Jahre, meistens in lieggio, von wo aus er oft in andere lom- 
bardisehe Städte reisen musste, welche viele Altarbilder und 
Cabinetgemälde von ihm aufzuweisen haben. Reich daran ist 
auch die modenaer Sammlung; vor allem berühmt ist sein Pe- 
trus, der zerknirscht vor dem Prätorium steht; das Gebäude, 
die von Fackeln erhellte Nacht, das Urtbeil Christi, den man 
in der Ferne sieht, alles erhöht das Tragische des Auftritts. 
Er diente auch dem Herzuge von Parma, in dessen Garten er 
Wandgemälde aus dem befreiten Jerusalem darstellte, die jetzt 
nicht mehr vorhanden sind, aber sehr gelobt wurden. Kurz, 
er ist einer der seltensten Maler nach den Caracci, wenn 
nicht wegen ausgesuchter Zierlichkeit, doch wenigstens (lurgh 
Anordnung,'Ausdruck der Gesichter und Leidenschaften, Per- 
spective, Farbenauftrag und F arbenbestand. 
Lionello Spada war einer der Bestbegabten der Schule. 
Aus dem niedrigsten Pöbel entsprossen, ward er von den Ca- 
racci als Farbenreiber gebraucht und versuchte allmülich, in- 
dem er ihren Berathungen und Arbeiten beiwohnte, das Zeich- 
nen. Erst bei ihnen, und hierauf bei Baglione machte er 
sich nur Kunst geschickt und achtete in den ersten Jahren auf 
kein anderes Muster, als die Caracci selbst. Auch lebte er 
vertraut mit Dentone und ward somit sehr geschickt in der 
Perspuctive. Von einem Witzwort Guidoäs getrolfen, beschloss 
er sich dadurch an ihm zu rächen, dass er seiner zarten Ma- 
nier -eine andere kraftvolle entgegensetztc. Zu diesem Ende 
ging er nach Rom und kehrte, nachdem er durt und in Malta bei
        

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