Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1297254
Die Caracci, 
ihre Zögl. u. Nachf. bis auf Cignuni. 
193 
logna zurück, nachdem er in Florenz und dessen Gebiet einige 
Bilder in seinem ersten leichten und passignanischen 
Style gemalt hatte. ln diesem malte er eine heil. Barbara in 
S. Petronio, welche den Bolognern misfiel. Um sie nun mehr 
zu befriedigen, legte er sich von nun an auf Cßpirßll Lode- 
Viccfs, den er rathfragte, nicht um seine Manier nachzu- 
älfen, sondern die eigene zu vervollkommnen. Dies war ein 
Leichte für einen geistreichen, in der Kunstkenntnis wohlbe- 
gründeten, mehr als irgend ein hologner Maler denkenden 
Mann Und so trat er denn auch in kurzer Zeit als ein ganz an- 
derer Maler auf und schien in dem neuen Geschmack anzuordnen, 
das Licht abzustufen, die Gemüthsbewegungen auszudrücken 
Wie von den Caracci erzogen. Dessungeachtet behielt er ein 
eigenthüiuliches Gepräg, das auf seinem ernsten, trühsinnigen 
Wesen beruhte. Alles ist bei ihm würdig ernst und gemüssigt: 
die Haltung der Figuren, die Bewegungen, die Tracht, die er 
mit wenigen, aber grossartigen Falten vermannichfaltigt, welche 
Guido selbst bewunderte. Uebrigens verschmäht er die hei- 
tern und lebhaften Farben und begnügt sich zumeist mit eini- 
gem Violett, Gelblichen und Bräunlichen, die er mit wenig 
Rosenfarb mischt, aber treiilich auftrügt und zu einem Gan- 
zen verschmelzt, das dem Auge eine grosse Ruhe gewährt 
Zu diesem Geschmack stimmt auch der Stoff, der, wo es in 
seiner Macht stand, immer weinerlichlund rührend war; W955- 
halb seine blagdalenen, Petrus, schmerzensreiche Madonnen so 
geschützt werden, deren eine dem Herzog von Mantua sogleich 
Thränen entlockte. 
Ferner war er wunderbar in Verkürzungen und an- 
dem lümstschwierigkeiten, mehr aber, als sonst worin, in Er- 
Endungen. Kaum sieht man auch nur eine Arbeit von ihm, 
worin sich nicht etwas Neues, irgend ein eigenthümlicher Ge. 
danke fände. Als er in S. Benedetto U. L. F. in Betrübnis 
versunken darstellen sollte, malte er sie sitzend mit Johannes 
und Magdalena, den Einen stehend, die Andere knicendl, in- 
dem sie die Dornenkrone des Erlösers betrachtet; auch andere 
Andeutungen seines Leidens sind darin; alle schweigen, aber 
ihr Auge und ihre Gebärde sagt doch viel. In S. Maria Mag- 
giore sollte er auf einer Bildtafel Johannes und Hieroznymus 
Verbinden; er verschmähte den gewöhnlichen Behelf, usie in
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.