Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1297161
11-1 
Oberilaliexl. 
Drittes Buch. 
Die bologner Schule . 
thums wieder aufgekommen, z. B. von einem Kinde, das heim- 
lich nach seinen gemalten Früchten gegriffen haben soll. Von 
Caravaggio nahm er auch das) Abdunkeln der Umrisse an 
und brauchte es beim Gcschwindmalen; ebenso die halben Fi- 
guren auf Einer Ebene; ja, die meisten seiner Geschichtbildcr 
ordnete er auf diese Weise an. In der Zeichnung jedoch wollte 
er richtiger und ausgesuchter seyn, als Caravaggio; hiemit 
brachte er e zwar nie zu einer gewissen Zierliclikeit, oder 
einem Adel der Züge, stellte jedoch meistens Köpfe dar, wie 
sie eines guten Naturalisten 55) würdig waren, wendete sie 
anmuthig, liess sie sich natürlich gebärden, und tünchte sie, 
wenn nicht mit der ziirtesten, doch gesundesten und saftigsten 
ITarbe. Vergleicht man Guidafs Figuren mit den guer- 
cinischen, so möchte man oft mit jenem Alten jene mit R0- 
sen__11nil diese mit Fleisch genährt nennen. Wie trefflich fer- 
ner im besten venediger Geschmack seine 'l'r'achten, die Land- 
schaft, die Beiwcrke gefärbt sind, beweiset allein seine heil. 
Petronilla im Quirinale 54), oder sein auferstandener Christus 
zu Cento 55), oder auch seine yHelena beim Bettelmönchorden in 
53) Unter einem Nsturalisten versteht Lanzi einen solchen, der 
ohne bVahl aus der tVirklichkeit Gegenstände aufgreift und nachbil- 
det, sie mögen zu dem darzustellenden Gegenstand passen oder 
nicht, an sich edel oder unedel seyn, wie der Zufall e giebt. Im 
bessern und wahrem Sinn war Domenichino ein Naturalist, ein 
solcher, der ganz naturgemäss darstellte. Q. 
54) Dieses Gemälde lobt G oethe in seiner Isnlientfsclten Reise sehr. 
Es verdient wegen der kräftigen Farbe und der richtigen Modell- 
zeichnung Beifall. Aber, wie bei der kurz zurnr'ei-tväl1nten Didn, 
sind die Figuren auch hier ohne Wahl und wie zuüillig an dem Volke 
aufgegriffen. Das Gemälde ist nicht mehr im Quirinal, sondern in der 
Gallerie des Campidoglio. Gestochen von Nicl. D origny.  
55) Eine Beschreibung dieses Bildes enthält ein Brief Algarottiüs 
an Zanotti vom Sept. 1760, wo er andern Arbeiten Guercin n'a 
zwar besseres Cnlorit, als Zeichnung beilegt, von diesem aber doch 
sagt „derPesarer selbst würde dagegen wenig oder nichts einzuwen- 
den gehabt haben. Die Falten, Ivesonders im Christi Gewand, sind 
bewundernswürdig. Die Süssc und Kraft der Tinten ist der höelr- 
sten Rundung des Bildes und der Lust gleich, womit das Ganze aus- 
geführt ist  .  Nie habe ich zwei Figuren besser in einem Bilde 
auftreten sehen, und nirgends ist wol das gesperrte Licht und das 
dreist I-lingewurfene desGuerein 0 besser angebracht, als in diesem; 
denn die Figuren Sind in einem Zimmer vorgestellt, wo diese Art 
Licht, welche die Gegenstände so hervorhebt, wundersam mit der 
NVahi-beit übereinstimmt." L- 
Vgl. Goethe's Ilal. Reise, WVerke Bd. 27. S. 166 ff. 207. TV.
        

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