Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1297100
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Oberitalien. 
Drittes Buch. 
Die bologner Schule. 
des Barooci. Diese eignete er sich sehr an in einer 
heiligen Familie, im Hause Olivieri nebst mehrern andern 
Bildern und Bildnissen von demselben Künstler, doch von an- 
derm Geschmack. Denn als das grosse Gemälde des hei- 
ligen Thomas nach Pesaro, die Verkündigung und Petrus 
von Guido in das benachbarte Fano kamen, so gewann 
er diesen neuen Styl so lieb, dass er sich ganz ihm ergab, 
ja, wo möglich, ihn zu überbieten beschloss. In derselben 
Capelle, wo Guido den Petrus, der das Amt der Schlüssel 
überkommt, aufgestellt hatte, stellte Simone das Wunder 
des Heiligen an dem. schönen Thore auf; wo er sich Guido 
so anbildete, dass er es selbst schien; und bis auf Malva- 
sie's Zeit erkannten auch die Fremden nicht die verschiedene 
Hand. Allerdings hat es auch sehr viel von jener guidischen 
Kräftigkeit, worin es das Hauptgemiilde ist; die I(öpfe sind 
mannichfaltig und sehr schön, die Zusammensetzung ist na- 
türlich, Licht und Schatten spielen schön in einander, nur 
dass die Hauptfigur darin zu viel Schatten hat. Um seinem 
Vor-bilde sich ähnlicher zu bilden, ging Simone nach 130-. 
logna, gab sich zu Guido in die Lehre, stellte sich anfangs 
demüthig und hingebend, und verbarg seine Meisterschaft ge- 
flissentlich. Als er sie naehmals allmälich enthüllte, erwarb 
er sich des Meisters und der ganzen Stadt grosse Achtung, 
wobei ihm auch seine besondere Anlage zum Kupfersteehen 
zu Statten kam. Bald aber ward er eitel, und fing an, nicht 
nur nxittellniissilge Künstler, sondern auch Domenichino, 
Alb ano und Guido selbst zu tadeln. In den Abbildern der 
Schüler von des Meisters Urbildern änderte er keck bald ein, 
bald das andere Versehen des Urbilds; endlich tadelte er 
Guido offenbar und reizte ihn. Wegen dieses Uebermuths 
und seiner nachlässigen Besorgung der ihm gegebenen Auf. 
träge, verfiel er in Misachtung und entfernte sich einige Zeit 
aus Bologna, hielt sich wie ein Flüchtling in Rom auf, bildete  
sich nach Raffael und den alten Marmorwerken, kehrte 1131-- 
auf wieder nach Bologna und lehrte daselbst, von Wannen er. 
in Dienste des Herzogs von Mantua trat. iVohin er aber auch 
kam, brachte er seine Unart mit, überschätzte sich, misach- 
tete alle andere, so dass er selbst Giulio's und RaffaePs 
spotte-te, und so war er persönlich gleich gehasst, wie seine
        

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