Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1297027
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Oberitalien. 
Drittes Buch. 
Die bologner Schule. 
derselben. Auch die Falten der Kleider veränderte er hundert- 
fiiltig, wiewol er sie gern breit, leicht, wahr, in ihrem Eut- 
stchen, ihrem Fortwurf uml Fall wohl verstanden malte. Nicht 
minder mannichfaltig waren seine jugendlichen Köpfe angeputzt, 
das Haar bald aufgelöst, bald zusammengehalten, bald kunst- 
reich nachlässig mit Schleiern, 'l'üchern, oder 'I'urbanen um- 
wunden, stets neu und lieblich. Eben so drückte er an alten 
Köpfen die unebeneiHaut und das Fallen des Bartes natürlich 
aus, indem er das Haar nach allen Seiten wendete, mit man- 
chen entschlossenen und kühnen Pinselstrichen und wenigen 
Lichtern beseelte, die vorzüglich fernen. Dergleichen hat der 
Palast Pitti, die barberinische und albanische Sammlung, und 
es sind seine minder seltenen. Arbeiten. S0 war er auch sehr 
sorgfältig in Behandlung des Fleisches; an zarten Gegenstän- 
den war es höchst weiss, dazu setzte er noch gewisse gelb- 
liche und bläuliche Mischungen in die Halbtinten, welche 
Manche für manierirt halten 44).  
Das Guidws Style nur eben ertheilte Lob trifft nicht 
alle seine Arbeiten. Er war bekanntlich ungleich, nicht nach 
Grundsätzen, sondern lediglich wegen eines Lasters, das seine 
vielen Tugenden verdunkelt, nämlich des Spiels. Er gewann 
Schätze und dennoch war er seiner Verluste wegen stets in 
Dürftigkeit, und half sich mit naehlässigem Malen. Daher so 
mancher Fehler in der Fernung, mancher Mangel der Eriin- 
dung, den ihm der unversöhnliche Albani zu so schwerem Vor- 
wurfe machte; daher die Verzeichnungen und die Ungleichheit 
der Figuren, das Unschlüssige vor der Beendigung seiner Ar- 
beiten. Zwar werden sie darum auch in königlichen Samm- 
lungen nicht verschmäht, und die turiner hat einen höchst 
vollendeten Marsyas, vor welchem ein kaum mehr als entwor- 
fener Apollo steht. Indess muss man, um Guido zu wiirdi- 
gen, andere Arbeiten von ihm sehen, die ihm einen Namen 
machten. Unter seine besten in seiner starken Manier rechne 
ich die Kreuzigung Petri in Rom, das Mannawuniler 45) in Ra- 
44) Der Farbeneinklang dieses Malers muss wnl einige Freiheiten 
entschuldigen. S. Lazzarini Pilmre di Pcsaro. p. 29. L. 
45) Diese prächtige Capelle des heiligsten Sacramexxts beim Dom zu 
Ravenna, wurde auf Kosten des Cardinals Pietro Aldolu-andinq m'-
        

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