Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1297015
bis auf Cignani. 
Die Caracci, ihre Zögl. u.Nachf. 
99 
Ferner habe ich gefunden, dass er zu einer seiner Magdalenen 
einen Farbcnreiber, einen ganz gemeinen Kopf, als Rlugfgr 
brauchte; aber unter seinem Pinsel, der jeden Fehl verbeg- 
serte, jeden Theil veranmuthigte, ward er ein Wunder. Eben 
so verfuhr er mit dem Nackten, das er, wie es auch seyn mochte, 
in seine vollendete Form herstellte, besonders in Händen und 
Füssen , worin er ausgezeichnet ist; eben so mit den Gewändern, 
die er oft aus Albrecht Dürer's Stichen nahm und, alle 
Trockenheit verbannt, so fliegend und grossartig machte, als der 
Gegenstand foderte. Selbst Bildnissen gab er, ohne die F ormeu 
umzuwandeln, oder sie jugendlich zu malen, etwas Neues und 
Anmuthiges, wie Sixtus V. zu Osimo im Palast Galli, oder dem 
staunenssverthen Card. Spada, bei seinen Erben in Rom. Keine 
Handlung, keine Stellung, keine Leidenschaft benimmt seinen 
Gestalten ihren Werth; er giebt ihnen Schmerz, Trauer, Schi-ek- 
ken, ohne ihrer Schönheit Eintrag zu thun; er wendet sie nach 
allen Seiten, verwandelt sie in jeder Gebärde und nie gefallen sie 
weniger; jeder könnte man, so zu sagen, das Lob ertheilen, 
dass, was sie nur thut, wohin die Schrittesie lenkt, heimlich 
die Schönheit "im- um giebt und folgt, nach TibulFs Aus- 
druck 43). 
Am meisten überrascht die Mannichfaltigkeit, welche er in 
diese Schönheit legt, eine Frucht theils seiner höchst frucht- 
baren Phantasie, theils seines Fieisses. Da er bis in seine letz- 
ten Jahre in der Akademie zeichnete, so sann er immer etwas 
Neues aus, sein Schönstes zu vermannicthfaltigen und dadurch 
vor Uebersüttigung zu sichern. Er malte gern aufbliekende 
Gesichter und sagte, er habe hundert ganz verschiedene Arten 
und zeugend oder chalfend in 
lebend und erschalfend erkennt. 
der Idee , 
wie der 
Philosoph 
W. 
darin 
43) Das kommt eben daher, dass der Urquell des Schönen in ihm 
lag, der lauter hervordrang, wenn er von aussen berührt wurde. 
ln dem Genie liegt das Urbild des Schönen, welches zum Bewuggß- 
seyn , durch die XValn-nehmung des specifischerl, nbjecliven Schönen, 
geweckt wird und in das Werk des Genies übergeht, sich darin ver- 
körpert. In dem Conlact der Aussenwelt , die wir Natur nennen, und 
der innern Schöpfungskraft sprüht der Funke des Genies hervor. In 
wem mm nicht; zu wecken ist, der wird vergebens Natur und Kunst 
studiren, ohne zum Erkennen dessen, was schön ist, jemals zu gelan- 
gen. Q. 
1 G 2
        

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