Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1297001
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Oberitalien. 
Drittes Buch. 
Die bologner Schule. 
Gemälden Niobe selbst, oder einen ihrer Söhne, WlCWOl mit 
so gewandter Manniehfaltigkeit, wieder, dass auch keine Spur 
von Stehlen vorhanden ist. S0 benützte Guido auch Raf- 
fael, Coreggio und Parmigiaxiino und seinen so gelieh- 
ten Paul Veronese, aus welchen er tausend Schönheiten, 
aber mit einer Gewandtheit schöpfte, welche die Caracci selbst 
beneideten. In der That strebte dieser Künstler nicht sowol 
schöne Gesichter nachzubilden, als in seinem Geiste sich einen 
allgemeinen und abgezogenen Begriff 41er Schönheit zu bilden, 
wie die Griechen; und diesen behandelte und gestaltete er 
nachher nach seinem Sinne. Ich habe gelesen, dass er, von 
einem Schüler befragt, in welchem 'l'heile des Himmels, in wel- 
chem Urbilde die Muster jener Gesichter wären, die er 'malte, 
dem Jüngling die vorerwähnten Gypsabgüsse alter Idöpfe zeigte 
und dabei sagte: auch du kannst aus diesen Mustern Schön- 
heiten, wie meine Gemälde, schöpfen, wenn du Geist hast 42). 
42) „Vor allen Dingen habt nur um Gottes willen Genie!" und 
"Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen, Wenn es nicht 
aus der Seele dringt Und mit urkräfligenl Behagen Die Herzen aller 
lIörer zwingt. Sitzt ihr nur-immer! Leimt zusammen, Braut ein Ragout 
von andrer Schmaus u. s. w."  das sind freilich die eindringlich- 
sten, triftigsten Kunstgebote; nur dass dergleichen, wie nach eini- 
gen Alten die Tugend, nicht zu lernen ist, sondern angeboren (in- 
gegna, Geniu) seyn muss und davon, was vom Winde, gilt: du 
hörest sein Brausen wohl, aber du weisst nicht, von Wannen er 
kommt und wohin er failiret. Danach können das caraccische 
obige Sonett und die lanzischen Schönheitserörterungen beurtheilt 
werden. Damit soll nun nicht YVissenschaft des Schönen geleugnet, 
sondern nur angedeutet werden, dass diese anders aussehe, als 
jene gelegentlichen, meist tautologischen Einfälle. Hie ganz anders 
als jenes Sonett, spricht sich Michelangelo durchgängig darüber 
aus! Als Antidoton für jenes stehe nur Ein Madrigal desselben hier: 
Per ßda ßäelllpiü alla min vocazione 
Nascendo mi fu dann la bellezza, 
Clze di due arti vfä lucerna a specclaio; 
E s" aln" uom crezle, ä falsa opiniann. 
Quesm sol P occhia parm a quell nllezm 
Per cui scolpire e pinger m, apparccchio. 
San z" giurlizj temerarj e sciocchz", , 
Clee al senso tiran In bellä alle muove, 
E pnrm al ciela ogni intelletlo sano. 
Da! nmrlale a! divin non vrnmn gli acchi 
Chc sann infernzi, e mm ascendon (Im-e 
Ascenrlev" senza graziu ä pensier 1mm). 
Michelangelo lebte, gleich jedem wahren Künstler, 
glaubeml
        

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