Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1296983
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Oberitalien. 
Drittes Buch. 
Die bologner Schule. 
was Neuem und Grossem. Im Palast Boniigliuoli und an- 
dern auserlesenen Sammlungen sind einige Jugendversuche, 
bald in diesem, bald in einem andern Styl; er studirte Al- 
brecht Dürer viel 98), ahmte die Caracci nach, Cesi's 
Formen gelielen ihm, er legte sich, wie Passerotti, auf 
das Her-vertretende und die genaue Darstellung der Muskeln, 
Versuchte Caravaggio nachzuahmen und in dem genannten 
Palast ist eine Sibylle von ihm, sehr schön in den Zügcn, 
nur zu sehr mit Schatten überladen. Der Styl, bei welchem 
er sich beruhigte, entstand gerade aus einer Bemerkung, die 
Annibale einst über Caravaggiäs Styl machte: man 
könnte dieser Manier eine andere ganz entgegengesetzte gegen- 
iiberstellen und statt des gesperrten und sinkenden Lichts ein 
offenes, lebhaftes brauchen, seiner Rauhheit das Zarteent- 
gegensetzen, statt seiner- abdämmernden Umrisse entschiedene 
geben und seine gemeinen und schlechten Formen mit schönem 
und gewählten vertauschen. Diese Worte drangen tiefer in 
Guido's Seele, als Annibale glaubte, wurzelten darin, und 
gar nicht lange nachher versuchte- er sich mit allen Kräften 
in dem angedeuteten Style. Sanftheit ist sein Zweck; diese 
suchte er in Zeichnung, Pinselflihrung, Colorit; und seitdem 
fing er an Bleiweiss, das Lodovico so sehr fürchtete, häufig 
zu gebrauchen, und die Härte in den Tinten allmülich anzu- 
nehmen, welche dieser ihm schon damals voraussagte. Die 
Mitschüler ärgerten sich darüber, weil er sich von den Ca- 
racci- zu entfernen und wieder in die matte, entnervte Ma- 
nier des vergangenen Jahrhunderts verfallen zu wollen schien. 
Auch verwarf er nicht ganz ihren Rath. Anfangs hielt -er 
noch immer an dem Starken, das seine Schule liebte, bändigte 
es aber mit mehr Zartheit, als sie; und indem er o allmälich 
darin zunalun, erreichte er nach einigen Jahren die ange- 
strebte weiche Zierlichkeit. Daher habe ich in Bologna mehr 
als anderswo Guido's erste Manier von seiner zweiten unter- 
scheiden und darüber streiten gehört, welche von beiden wol die 
bessere Sei  "Auch stimmen nicht alle dem Malvasia bei, 
i 
38) Von A. D ürer's Weise ist in Guidcüs Bildern keine Spur. 
Q. 
39) Am lobenswerthesten ist Guido, wo keine Manier sich ent-
        

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