Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1296927
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Oberitalien. 
"Drittes Buch. 
Die bologner Schule. 
leben verdienten. Die Welt ist ein gerechter Richter; nur 
gnügt es nicht, gerechte Sache zu haben, wenn nicht viele 
Stimmen ihr es bewahrheiten. Der Schüchterne, eingezogene 
Domenichino hatte wenig Schüler und nicht genug Anhang, 
und musste der Menge, die ihn verfolgte, weichen, Aguc- 
chi's Ausspruch bewährend, dass sein Werth nicht eher, als 
nach seinem Tode, würde erkannt werden. Nachdem nun die 
Parteien untergegangen sind, lässt ihm die unparteisame Nach- 
welt Gerechtigkeit wiederfnhren, und jede königliche Samm- 
lung beehrgeizt ihn. Seine Bilder mit Figuren werden sehr 
geachtet und ungeheuer bezahlt. Selten sieht man sie, ausser 
in Hauptstädten. Sein David im Collegio zu Fano ist für 
alleFremde, die Kunstgeschmaek haben, ein Gegenstand der 
Neugier; es ist eine Figur in Lebensgrösse, die allein eines 
Künstlers Namen verewigen könnte. Ein kleines, aber un- 
schätzbares Bild ist der heil. Franz des weiland Grafen Jacopo 
Zambeccari in Bologna; der Heilige betet und aus den sich 
röthenrlen heissen Augen scheint das in Thränen aufgelöste 
Herz herabzutraufen. ZWßl besonders schön gedachte Werke 
von ihm sah ich in Genua: Venus, Adonis Tod beweinend, in 
der Galleric Durazzo; und in Brignole Sälen den heil. Rochus, 
der um das Ende der Pest betet. Die Gebiirdung des Heili- 
gen, der Eifer Einiger, die zu ihm ihre Zuflucht nehmen, die 
tragische Darstellung der auf der Erde hingestreckten Todten, 
eines Anilern, der beerdigt wird, einer schon todten Mutter, an 
welcher noch ein unschuldiges Kind saugen will, erschüttern 
die Seele in diesem Bilde, wie beim Anblicke "wirklicher Dinge. 
Unter Domenichinoüs weltlichen Gemälden ist das berühm- 
teste die Dianenjagd im Palast Borghesi 31,1, voller bellen- 
der Nymphen und heiterer Ereignisse. In derselben und in 
der florenzer Gemiildcsammlung ist eine kleine Landschaft, 
in nicht wenigen sind auch einige Bildnisse von ihm. Auch 
in diesen Gegenständen ist er treiilich und sie sind am leich- 
testen zu bekommen. Von andern seiner und seiner bessern 
Schüler Arbeiten ist hinlänglich bei der römischen und neaplcr 
Schule gesprochen worden. Dem Vaterland erzog 'er Gio. Ba- 
tista Ruggieri, und zu seinen vielen Unfällen kann man 
Schön gestochen 
V0 ll 
Raff. Morghen.
        

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