Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1296901
S8 
Oberitalien. 
Drittes Buch. 
Die bologner Schule. 
Agnese, oder andere in fortgerücktern Jahren gemalte Bilder. 
Das erste wird gewöhnlich für das bete in Rom nach Raf- 
faePs Verklärung gehalten; und das zweite wurde von sei- 
nem Nebenbuhler Guido zehnmal höher, als RaffaePs Ar- 
beiten geachtet 27). In diesen Kirchenbildern ist eine der 
Lieblichkeiten die Glorie von schönen, behenden Engeln, welche 
die anmuthigsten Dienste im Bilde leisten, Martyrn krönen, 
Palmen bringen, Rosen streuen, Tänze flechten, Musik machen. 
Oft iindet man in den Gebärden Coreggio wieder; doch 
sind die Formen verschieden und haben zumeist ein Stumpf- 
näschen, das sie unterscheidet und reizend macht. Wie sehr 
aber auch Domenichino in Oelgelnülden gefällt, weicher 
und harmonischer noch ist er in Wandbildern. Ausser denen 
in Neapel hat man dergleichen in Fano; aber grösstentheils 
durch eine Feuersbrunst beschädigt, nämlich evangelische Ereig- 
nisse in einer Capelle des Doms; zu Frascati auf dem Land- 
glute Bracciano mythologische Geschichten; zu Grotta F errata 
Thaten des heiligen Nilo; zu Rom heilige Geschichten in meh- 
rern Kirchen zerstreut. Bei den Kuppeln von S. Carlo zu 
den Töpfern, und S. Andrea della Valle hat er an den Spar- 
renköpfen dort vier Tugenden und hier die vier Evangelisten 
gemalt, die nach hundert und aberhundert ähnlichen Arbeiten 
immer musterhaft geblieben sind. Zu S. Andrea sieht man 
auch an der Petrikirche mehrere Gechichten des Heiligen; an- 
dere in S. Luigi der heil. Cäcilia 28); andere in S. Silvestro 
im Quiriilale, von David und andern Schriftgegenstiinden, 
die wegen Anordnung und geschmackvoller Gewandung von 
Einigen allen übrigen vorgezogen werden. 
Es scheint unglaublich, dass derlciArbeiten, die jetzt 
von Künstlern bewundert werden, einst" so herabgesetzt worden 
seien, wie ich erzählt, dass der Maler lange nur wenige Be- 
stellungen hatte und im Begriff stand, die Malerei mit der 
Bildhauerei zu vertauschen.  Dies begab sich aber theils in 
Folge heimtückischer Nebenbuhler, welche seine Tugenden 
27) Veräienternnasuen verwirft dies Urtheil Puccini in seinem 
Esame crilico de! Wüebb. p. 49. L. 
28) Vorzüglich gestochen von B apt. de Poilly. Q.
        

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