Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1291879
Zweiter 
Zeitraum. 
Giorgione, Tiziano, Tintoretto etc. 
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wie Körperoberfliicheil mit den mannichfaltigsten Halbtinten be- 
handeln. Niemand verstand besser das Gleichgewicht obiger 
drei Hauptfarbcn, wovon die Harmonie der Bilder abhangt; ein 
in der Ausführung schwer zu errcichendes Gleichgewicht, Wel- 
ches Rubens, so ein guter Colorist er sonst war, doch nicht 
erreichte! 
Tiziants Erfindungen und Zusammenstellungen sind ih 
seinem gewöhnlichen Charakter: er arbeitete nichts, ohne die 
Natur zu rathfragen. In der Zahl der Figuren ist er eher mäs- 
sig, in ihrer Gruppiruug höchst kunstgeivandt, und er verglich 
sie mit einer YVeintraube, wo dievielcn Beeren ein Ganzes ma- 
chen, das von Gestalt rund, leicht wegen Durchbrochenheit, 
unterschieden sei durch Schatten, Halbtinten und Lichter, je 
nachdem das Licht mehr oder weniger auftrelfe. In diesen 
Compositionen ist keine crkiinstelte Gegenstellung, keine ge- 
waltige Bewegung, die nicht nothwendig zur Darstellung wäre; 
die gemeinen handelnden Figuren haben noch eine solche Würde 
und Haltung, dass jede den Kreis, wovon sie ein Theil ist, zu 
achten scheint. YVer den Geschmack griechischer Basreliefs 
liebt, wo Alles Natur, Maas und Anstand ist, wird Tizian's 
wiirdcvolle Composition der muntern des Paolo und Tinto- 
retto vorziehen, wovon an einem andern Orte die Rede seyn 
"wird. Auch jene Gegensätze von Handlungen und Gliedern 
kannte er gar wohl, die später seinen Landsleuten so sehr ge- 
fielen; aber er sparte sie für Baechanale, Schlachten, kurz für 
Gegenstände auf, wo sie an ihrer Stelle sind. 
Man hält für ausgemacht, dass ihm im Bildnismalen Nie- 
mand gleichgekommen; und dieser Geschicklichkeit hatte er 
grossentheils sein Glück zu danken, da sie ihm Zutritt an meh- 
Yßrn glänzenden Höfen verschaffte, wie am rönlisßhen zur Zeit 
Pauls llL, am wiener und madrider zur Zeit Karls V. und sei- 
11er Söhne. Vasari gesteht, hierin sei er vortreiilich gewe- 
sen und habe unzählige Personen seiner Zeit, und die durch 
Würde oder Wissenschaften berühmtesten gemalt. Zartsinnig 
 es von ihm gewesen, hätte er von Cosimo L, Grossherzog 
Von Toscana, geschwiegen, der wenig Lust hatte, sich von ihm 
malen zu lassen. Aber nicht weniger geschickt malte er Ge- 
miithshewegungen. Die Ermordung des heil. Petrus Martyr in 
Venedig, [und die einer Anhängerin des heil. Antonius in der
        

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