Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1291869
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Oberitalien. 
Venediger 
Schule. 
Da jedoch das verständige Stärken und Schwächen der 
Schatten nicht ausreicht, wenn nicht auch die Farbe dazu stimmt, 
so ersann er sich auch hier eine Behandlung, welche darin be- 
steht dass er an den gehörigen Stellen bald die schlichten un- 
mittelbaren Tinten der Wirklichkeit brauchte, bald die künstlich 
täuschendene Er hatte nur wenige und einfache Farben auf 
seinem F arbenbrett, aber er verstand es diejenigen zu wühlen, 
welche grössere Mannichfaltigkeit unterscheidet und hebt, und. 
kannte die Stufen, wie die günstigen Momente ihrer Gegenstel- 
lungen. Darin ist gleichwdl nichts Gewaltsames; die Mannich- 
faltigkeit der Farben, die in seinen Bildern sich eine vor der 
andern heben, scheinen etwas ganz Natürliches, und sind Wir- 
kung der höchsten Kunstgewandtheit. Ein weisses Tuchneben 
einer nackten Figur macht, dass sie mit dem lebhaftesten Zi- 
nober angelegt scheint; und doch brauchte er dazu blose rothe 
Erde mit etwas Lack in den Umrissen und nach den iiusser- 
sten Enden hin. Eine ähnliche Wirkung thun tief dunkle, zu- 
weilen schwarze Gegenstände auf seinen Bildern; denn ausser- 
dem, dass sie die nächste Farbe verschünen, machen sie die 
mit sogenannten unmerklichen Halbtinten bearbeiteten Figuren 
kräftiger. Boschini S. 341 hat uns eine Aeusserung von 
ihm mitgetheilt: wer Maler seyn wolle, müsse drei Farben ver- 
stehen und bei der Hand haben, Wciss, Roth und Schwarz, 
und wer Fleisch male, schmeichle sich ja nicht, dass es ihm 
mit Einem Wurfe gelinge, sondern. durch Wiederholen verschie- 
dener Tinten und F arbentiinchung. 
Ich füge einige Bemerkungen des Ritters Mengs bei, der 
Tigianw Styl so tiefsinnig zergliedert. Er sagt, T. sei nach 
dem Wiederaufleben der lilalerei der Erste gewesen, der die In- 
tention ( l' ideale) der verschiedenen Farben in den Gewändern 
zu erfassen gewusst habe. Vor ihm brauchte man alle Farben 
ohne Unterschied und alle wurden in demselben Grade von Hell 
und Dunkel aufgetragen. Tizian wusste, wenn gleich Gior- 
gione es ihm nicht gezeigt hatte, dass Roth die Dinge 
nähert, Gelb die Lichtstrahlen zurückllült, Blau iln Schatten und 
für grosses Dunkel sehr brauchbar ist; nicht minder kannte er 
die WVirkungen der Saftfilrberl. So konnte er Schatten, Halb- 
tinten und Lichtern dieselbe Annlutll, Klarheit des Tons und 
der Würde der Farbe geben, und die verschiedenen Fleischfarben
        

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