Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1291855
I] . 
uweller 
Zeitraum. 
Giorgioxxe, 
Tizian, 
'l'ini0retto 
etc. 
91 
Von diesem und seinem Helldunkel haben Viele, und Za- 
netti, der es Jahre lang untersuchte, weitläufig gesprochen. 
Aus diesem nehme ich einige Bemerkungen, mit dem Zusatz 
jedoch, dass er sie grösstentheils den Wissbegierigen in Ti- 
zians Werken selbst aufzufinden überlassen hat. In der That 
sind auch seine Gemälde die besten Wegweiser zu einem guten 
Colorit; aber gleich den classischen Schriftstellern, die vor jedem 
gleich aufgeschlagen und erläutert liegen, jedoch nur dem Nach- 
denkenden nützlich werden. Ich sprach von dem Leuchten der 
venediger und besonders der Tizianichen Bilder, welche die 
andern zu Yorbildern nahmen. Ich sagte, dies sei Ergebnis kla- 
ren Farbenauftrags, wo Farbe immer wieder auf Farbe wie ein 
durchsichtiger Schleier wirkt und die Tinten gleich angenehm, 
wie leuchtend macht. Anders verfuhr er auch nicht mit den 
stärksten Schatten, die er schlechthin auftrug und anlegtc, ver- 
stärkte und, wo sie in Halbtinten übergehen, wärmer hielt. Die 
Schatten brauchte er mit vieler Ueberlegung und beobachtete 
dabei ein Verfahren, das nicht einen leidigen Naturalisten, son- 
dern eine ideale Auffassung verrüth. Im Nackten besonders 
mied er massenhafte tiefe Verschattungen und starke Schatten, 
wiewol man sie zuweilen in der Natur iindet. Sie fördern die 
Rundung und das Hervortreten, mindern aber die Zartheit des 
Fleisches. Tizian nahm meistens ein hohes, scharfes Lieht 
im, bearbeitete nun die breiteren Stellen mit manuichfaeh ab- 
gestuften Halbtinten, hierauf gab er die übrigen Theile und 
die Extremitäten dreist und kecker wol an, als in der Natur, 
und so nahmen sich die Gegenstände gewissermassen lebendiger 
aus und sprachen mehr an, als in der Wirklichkeit. S0 legte er 
in Seinen Bildnissen die grösste Kraft in Auge, Nase und Mund; 
die übrigen Theile liess er in einer so unentsehiedenen Sanft- 
beit, dass Geist und Leben der Köpfe und Wirkung gewannen, 
wm-dene um] Gewgchgene, Wer das Verküppelte, Sclnvächliche, oder 
Ausgeai-tete darstellt, wie er es in einer wenig begünstigten Natur 
voriindet, wie wol einige Niederländer und Deutsche thaten, degsgn 
Werke sind, bei voranszusetzender Geschicklichkeit, natürlich, aber 
nicht naturgemäss und dann nicht mit dem wahren Ideale überein- 
stimmend, wie die naturgemiissen Merke eines Tizian. Dahingegexx 
sind auch Mengsens Werke xiicht. ideal, weil sie blos ersonnen 
sind und nicht mit dem Urbildlicheil übereinstimmen. Q,
        

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