Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1291845
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Schule. 
gelernt habe," oder aus welchem Grunde sonst. Uebrigens sagt 
er, war Tizianüs Styl in Frauen und Kindern stets zierlich, 
schulgerecht und edel; seine männlichen Formen zumeist gross, 
gelehrt, meisterlich; als Probe des Nackten führt er die histo- 
rischen Bilder in der Sacristei della Salute an 27), wo auch die 
schöne Zeichnung der Extremitäten herrscht und nur noch 
durch die grosse Kenntnis der Perspective gewinnt, die damit 
verbunden ist, Hätte der Gesehichtschreiber auch Tizian's 
Werke im Auslande betrachten wollen, so hätte er vieles über 
seine Baechanale und Veneres beibringen können, deren eine in 
der K. Gallerie zu Florenz sehr sinnreich eine Nebenbuhlcrin 
der medieeischen genannt wurde, dieser Vollendung des grie- 
chischen Meisels m). Die Meisterschaft in der Bekleidung be- 
legt Z anetti mit dem heil. Petrus am Altare des Hauses Pe- 
saro mit einem höchst kunstreichen Mantel, und bemerkt dabei, 
dass er zuweilen die Bekleidung absichtlich vernachlässigt habe, 
um irgend einen nahen Gegenstand desto mehr hervorzuheben. 
Bei dieser Verschiedenheit der Ansichten wahrer Kenner wage 
ich nicht, mit meinem Urtheile einzuschreiten. Nur dies will 
ich zum Lobe dieses herrlichen Geistes bemerken, dass, wenn 
ihn bessere Verhältnisse zu wissenschaftlich ergründeter Zeich- 
nung geführt hätten, er vielleicht der grösste Maler der Welt 
gewesen wäre. Sicherlich hiitte man dann seine Zeichnung 
eben so allgemein für vollendet anerkannt, wie jetzt sein noch 
von Keinem erreichtes Colorit 29). 
27) Die Gemälde des Tizian, von welchen Zanetti spricht 
befanden sich in S. Maria della Salute. Aus Tizian frührel. zei; 
soll eine Tafel seyn, auf welcher S, Marcn, S, Sebasgiano, S Raum) 
S Cosma und S. Damiano vorgestellt sind; S. lllarco sitzt hülle;- 
und unter ihm die angeführten Heiligen. 
An der Decke dieser Capelle sind folgende Geschichten: der Tod 
Abels, das Opfer Abraham, und der Sieg Davids über den Riegen, 5 
Della pittura Veneziana p. 105 u, 106. Q_ ' 
28) Venus von B. Strange gestochen. Q, 
29) Das Verkennen des vortrefflichen naturgemässen Styls in der 
Zeichnung des Tizian kommt von dem falschen Ideal der Mengi. 
sehen Schule her. Das Naturgemässe ist mit den reinen Urbildern 
der Dinge in un (den Idealen) übereinstimmend. Niltllfgemägg ist 
aber nicht das Ausgeartete, Verkrüppelte, wie uns so häufig-bin kann", 
der Entwicklung organischer Körper nachtheiligen Klimalen Natur- 
producte vorkommen, uondern das ohne Hindernis und Störung 
        

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