Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1291821
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Oberitalien. 
V enediger 
Schule. 
haare, die Fleisehporen, die Willerseheine der Gegenstände in 
den Augäpfeln zählen; und dennoch verlor es nicht; denn wo 
Dürers Bilder; durch Uebertreibung an Werth verlieren und 
wieder klein werden, erhebt sich dieses und wird grossarti- 
ger. Aber in diesem Style malte er auch kein anderes Bild, 
wol aber noch als Jüngling in jenem freiern, ungebundenen, 
welchen Giorgione, erst sein Mitschüler, dann sein Neben- 
buhler, erfunden hatte. Einige von Tizian in diesem kur- 
zen Zeitraume gemalte Bildnisse sind von denen des Gier- 
gion e selbst nicht zu unterscheiden. Ich age, in diesem kur- 
zen Zeitraume; denn es dauerte gar nicht lange, so bildete er 
sich einen neuen, minder duftigen, feurigen und grossen, aber 
siisseren Styl, welcher den Beschauer nicht durch Neuheit der 
Wirkung, sondern durch die lautere Darstellung der Wahrheit 
hinreisst. Das erste ganz Tizianisehe Werk ist in der Sa- 
cristei von S. Marziale ein Erzengel Raphael mit Tobias zur 
Seite, welches er in seinem 30. Jahre malte; und nicht lange 
darauf, wenn man Ridolfi glauben darf, stellte er in der 
Schule della Caritä U. L. F. dar, eines seiner grössten und 
ligurenreiehsten Bilder, deren viele bei verschiedenen Feuers- 
brünsten untergegangen sind. 
Aus diesen 
und andern 
seiner besten Zeit 
habcn die Kunst- 
richter den Begriff seines Styls. aufgefasst; und die Zeichnung 
ist es, worüber sie am meisten streiten. Menge (Opere T9, 
1-11. 177.) mag ihn nicht unter die guten Zeichner zäh- 
len  sondern hält ihn für einen Maler von gewöhnlichem Ge- 
schmuck, fern von der alten Behandlung, obwol, wenn er sie hätte 
studiren wollen, er darin glücklich gewesen seyn würde, weil er 
der Natur Alles so genau absah. Dasselbe meint Vasari, wenn 
er Michelangelo, nachdem er eine Leda von Tizian gesc- 
hen, sagen lässt, "es sei Schade, dass man in Venedig nicht von 
Hause aus gut zeichnen lerne." Minder streng nrtheilte Tinto- 
retto, obwol sein Nebenbuhler, T izian habe Einiges gemacht, 
was nicht besser seyn, Anderes aber, was wol besser gezeichnet 
'31) Der Himmel mag Mengsen dies Urlheil vergeben und ihm 
nicht Gleiches mit Gleichem vergehen. lndess ist es eben ein Be- 
weis des falschen Ideals, welches Mengs wie eine Brille trug. Q.
        

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