Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1291805
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Oberitalien. 
Venediger 
Schule. 
Landschaft eine Kraft und Rüstigkeit, dass man ihn eher für 
Giorgione's, als eines andern Musters, Nacheiferer halten 
möchte. Er malte auch, und zwar mit gleichem Geist, doch 
weiss ich nicht, ob mit gleicher Weichheit, in Padua; und hier 
unterzeichnet er sich an einem Wandgemälde, nicht Flerigo- 
rio, wie ihn die Geschichtschreiber nennen, sondern Flori- 
gerio, wie der Wegweiser in Padua und wir mit ihm ver- 
bessern. Francesco Floriani, dessen Bruder Antonio 
man auch kennt, obwol er zu Wien in Diensten Maximilians ll. 
lebte, ermangelte doch nicht, auch in Udine sich als tüchtig 
zu erweisen. Er hatte eine ganz besondere Gabe im Bildnis- 
malen. Gio. Bat. de Rubeis hat von ihm ein Bildnis des 
Aseanio Belgrado, welches neben den Moroni und Ti- 
nelli sich halten kann. Auch Kirchenbilder malte er, und 
das belobteste ist wol das zu Reana, einem Dorfe oberhalb 
Udine; es ist in den letzten Jahren von einem Privatmann ge- 
kauft und in mehrere Bilder von Heiligen, die es enthielt, 
getheilt worden.   
Es ist nun an der Zeit, auf Tiziano Vecellio") zu 
kommen, wie der Leser schon gewünscht haben wird. Ich werde 
ihm aber wol nicht so genügen, wie ich wünschte; denn wo 
der Begriff von einem Künstler so überaus gross ist, scheint 
Alles, was über ihn geschrieben wird, unter seinem Verdienste 
zu seyn, ja ihn gewissermassen herabzusetzen. Wenn aber, um 
Künstler zu schildern, eine bestimmte Angabe dessen, was sie 
unter allen auszeichnet, mehr Werth hat, als eine wüste An- 
preisung, so will ich das Urtheil eines vorzüglichen Kunstrich- 
ters anführen, der zu sagen pflegte, Tizian habe besser als 
jeder andre die Natur gesehen und wahr wiedergegeben; und 
hiezu kann ich mit einem andern setzen, er war unter den 
B-lalern der mit der Natur vertrauteste und allumfassende Mei- 
ster, der Allem, was. er behandelte, es mochten Figuren, Ele- 
mente, Landschaft oder was sonst seyn, seine wahre Natürlich- 
keit aufprägte. Er hatte von Natur einen gediegenen, ruhigen 
n 
I7) Ein Werk DelP imitasinne pittorica, (lellwccellenza dellinpnre 
rli Iäbiano, e della vila rli Tiziamß wo libri 3 rfi Anrlrczz Meyer, 
Venzuiuvw. Venez. 1818 ward in du" Hilzl. Üfll- Von Gius. Cur- 
pani widerlegt.  11'.
        

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