Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1291706
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Oberitalien. 
Venediger 
Schule. 
lobt, Ridolfifälschlich zu Palma's Schule zählt. Er zeich- 
nete sich durch genaue Zeichnung, geschmackvolle Färbung, 
und ileissigen Pinsel aus, wiewol er in den Umrissen nicht immer 
weich, in den Gesichtern meist herb, zuweilen fast gemein ist. 
Gleich das erste seiner bekannten Bilder in S. Niccolö zu Tre- 
vigi vom Jahr 1505 lobt Ridolf i des Farbenvertriebs wegen; 
dasselbe kann man von den drei Aposteln in der Johann-Pauls- 
kirche und den übrigen wenigen öffentlich aufgestellten Bildern 
sagen. In Privatsammlungen sieht man nicht selten halbe Fi- 
guren auf Leinwand von ihm; und ich glaube, es giebt nichts 
so Schönes und Giorgionisches, als jenes Urtheil über die 
Ehebreeherin im Capitel des S. Giorgio Maggiore, wovon eine 
Wiederholung, oder ein Abbild in der Sacristei des heil. Pan- 
taleo und an mehrern Orten ist. Der zweite ist Paris Bor- 
done, adlich an Abkunft, Geist und Kunst; kurze Zeit T i- 
zians Schüler, nachher feuriger Nachtreter Giorgioneis, 
endlich selbständiger Maler von einer Anmuth, die nur sich 
selbst gleicht. Seine Bilder haben in der That ein so lachen- 
des Colorit, dass es, weil es nicht wahrer als das Tizianische 
seyn kann, doch mindestens manniehfaltiger und reizender als 
dies seyn möchte; auch fehlt es ihnen nicht an feiner Zeich- 
nung, seltsamer Bekleidung, lebhaften Köpfen und eigenthüm- 
lich geschickter Composition. In der Hiobskirche malte er ei- 
nen heil. Andreas am Kreuze, darüber einen Engel, der ihn als 
Martyrer krönt; und statt die beiden Heiligen, worunter einer 
Petrus ist, ihm zur Seite zu stellen, lässt er sie ihn ansehen 
und gleichsam beneiden; eine neue und malerische Motive! S0 
sind auch seine übrigen grösstentbeils für seine Vaterstadt und 
die Umgebungen gemalten Bilder. Jede Aufgabe ist alt, aber 
die Behandlung neu. So das wahre Paradies zu Ognissanti in 
Trevigi, und im Dom der Stadt die evangelischen Geheimnisse 
auf einer, vermuthlieh nach Bestellung, in sechs Gruppen ge- 
theilten Bildtafel, wo er in kleinem Raume alles Anmuthige, 
Gefällige, Schöne, das er in seinen übrigen Bildern zerstreut 
hatte, wie im Inbegriff gegeben zu haben scheint. In Venedig 
ist sein Bild, wo ein Fischer dem Doge den Ring wiedergiebt, 
sehr berühmt; neben Gior gion ees oberwühntem Sturme macht 
es einen wunderbaren Gegensatz von Lieblichkeit zum Schreck- 
liehen. Es hat schöne Architektur und eine Menge thatferiiger,
        

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