Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1291665
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Oberitalien. 
Venediger 
Schule. 
bei den Dominicancrn in Venedig und der heil. Nicolaus bei 
den Carmelitern, dessen Gedanken er im heil. Vincenz der Do- 
minicaner zu Recanati wieder aufnahm, sind höchst wunderliche 
und ureigenthümliche Compositionen. Anderwärts geht er von 
dem gewöhnlichen Styl einer Madonna auf dem Thron mit Hei- 
ligen umgeben, Engeln in der Luft, oder auf den Stufen, nicht 
sehr ab; aber er hat immer neue Aussichten, Gebärden, oder 
Gegenstellungen. So giebt er in der Madonna zu S. Barto- 
lommeo in Bergamo, welche Ridolf i bewundernswerth nennt, 
der heil. Jungfrau und dem Kinde verschiedene Bewegungen 
nach entgegengesetzten Seiten, als sprächen sie mit den Seli- 
gen, welche zur Rechten und Linken stehen. Und auf der an- 
dern zu S. Spirito, die ganz holdselig ist, brachte er den heil. 
Johannes den 'l'äufer als Knaben an, der am Fuss des Throns 
ein Lämmchen umfasst, und dabei eine so lebhafte, einfältige, 
unschuldige Freude zeigt und so lieblich lacht, dass vielleicht 
Raffael und Coreggio es nicht besser gemacht hätten. 
Diese seine Meisterwerke und andere in den Kirchen und 
Sammlungen zu Bergamo stellen ihn neben die ersten Lich- 
ter der Kunst; und wenn er bei Vasari weniger bedeutend 
auftritt, so liegt dies daran, dass der Geschichtschreiber nur 
weniger durchdachte und minder grossc Bilder von ihm sah. 
Auch hat er in der That nicht immer dieselbe Kraft und Zeich- 
nung. Seine beste Zeit scheint mit 1513 zu beginnen, wo er 
unter vielen namhaften Künstlern in Bergamo gewählt wurde, 
das Bild bei den Dominicanern zu malen; und sein Verfall mag 
von 1546 angehen, was auf dem Gemälde zu S. Jacopo dell' 
Orto in Venedig angegeben ist. Auch in Ancona malte er, und 
viel in Recanati in der Dominieanerkirche, wo mitten unter 
Meisterwerken, besonders in kleinen Gemälden, manche Nach- 
lässigkeit in den Extremitäten und einige Trockenheit nach Art 
Giov. Bellini's sichtbar ist, mögen es nun seine ersten Ar- 
beiten gewesen seyn, wie Vasari glaubt, oder vielmehr seine 
letzten. Denn bekannt ist, dass er, als er alt wurde, gern nach 
Loreto unweit Recanati ging, und dort, in stetem Gebet zur 
heil. Jungfrau um Förderung zum höhern Leben, sanft sein Le- 
benk beschloss.  
Jaeope Palme, genannt Palma vecchio, zum Unter- 
schied von seinem Gcscliwisterenkel J acopo, ward immer für
        

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