Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1291629
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Oberitaliexl, 
Venediger 
Schule. 
der Erlindung helfen licss; denn bekanntlich war er nicht son- 
derlich gedankenreich und im Compuniren mehrerer Figuren 
langsam, unentschlossen, versprach leicht, iing schwer an, und 
vollendete noch schwerer.- Daher sieht man selten historische, 
oder Altarbilder von ihm, wie die Geburt U. L. F. in S. Ago- 
stino zu Perugia, oder die Geisselung bei den Osservanti zu 
Viterbo, welches man für das, beste Bild der Stadt hält. Zim- 
mergemäldc, besonders Bildnisse, fertigte er in Menge und ohne 
grosse Anstrengung, und schwerlich kann man schönere Hände 
von rosigcrem Fleisch, oder seltsamere Beiwerke sehen. Als 
er zum Beispiel Pietro Aretino malte, unterschied er in den 
Kleidern fünferlei Schwarz, und stellte ganz genau das Sam- 
met-, das Atlassehwarz und noch anderes dar. Von Agostino 
Chigi nach Rom geladen, und dort als einer der ersten Co- 
loristen seiner Zeit bewundert, malte er, lmit Peruzzi und 
Raffael selbst wetteifernd, und ein Saal der Farnesina, wel- 
ehe damals Chigi gehörte, hat die Arbeiten dieser drei Meister 
noch jezt. 
Scbastiano bemerkte bei dieser Gelegenheit, dass seine 
Zeichnung in Rom nicht eben gelobt werden konnte, verbesserte 
sie also, verfiel aber doch, der peinlichen Mühe wegen, die er 
sich gab, in einige Härte. Bei manchen Arbeiten unterstützte 
ihn auch Michelangelo, aus dessen Zeichnung er die Pietät 
bei den Conventualen zu Viterbo, die Verklärung und die übri- 
gen Gemälde nahm, die er in sechs Jahren zu S. Pietro in 
Montorio in Rom lieferte 5). Vasari sagt, Michelangelo 
5) Auch sollte dieses Gemälde zugleich die Frescomalerei in Schat- 
ten stellen; denn Sebastian malte es auf eine eigne Weise, welche 
sich aber nicht bewährte, indem die Geiselnng Christi ganz unchgin- 
bar geworden ist, so wie einige andere Bilder von ihm in S, Pie- 
tro in Monturio. Sebastians del Piombo Colcril zeichnet sich 
aber von dem anderer Venediger durch breite Lichter und eine mehr 
ins Okerfarbige, als Rothe fallende Mischung aus, Auch scheint er 
mehr aufs erstemal seine Gemälde fertig gemacht, als durch Lasuren 
vollendet zu haben, was vielen Bildern des Tizian und Bordone 
einen reizenden Schmelz giebt. Das grösste Gemälde, welches ich 
von Piombo kenne, ist das Hauptaltarblatt der Kirche S. Nicolo 
in Treviso, auf welchem die Madonna und mehrere Heilige vorge- 
stellt sind, unter denen sich einer durch ein prächtiges lllessgewand 
vorzüglich auszeichnet. Piombws YVerk befindet sich hier aller- 
dings in einer gefährlichen Nachbarschaft, neben andern grossen Mei- 
sterwerken: Treviso ist reich an trefilichen Bildern, besonders
        

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