Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1291607
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Oberilalien. 
Venediger 
Schule. 
der (Scuola de, Surtz), oder in der des heil. lllarcu der von 
dem Heil. besprochene Sturm, wo unter andern drei durch Zeich- 
nung und Gebärden höchst schätzbare nackte Ruderer sind. 
Mailand hat zwei ablange und hier mehrere Figuren über Pou- 
ginis Maas, die man wol eher derb, als leicht aufgebaut nen- 
nen möchte. Das erste ist in der Ambrosiana, das zweite im 
erzbischöllichen Palast, und wird von Einigen für den besten 
Giorgione gehalten, den es giebt. Es stellt den kleinen aus 
dem Nil gezogenen und der Tochter des Pharao übergebenen 
Moses dar. Wenig, aber gut angeordnete, verträgliche und 
gut durch Schatten gebrochene Farben machen, so zu sagen, 
einen streng ernsten und einem Musikstück ähnlichen Eindruck, 
das mit wenigen, aber meisterlich verbundenen Tönen vor dem 
rausehendsten Concert ergetzt 4). 
Giorgionc starb il5ll im 34816" Jahre. Mehr seine Ar- 
beiten, als seine Schüler blieben den Venedigern zur Belehrung. 
Vasari deutet einige Schüler an, welche aber Andere bestrit- 
ten habcn. Ridolfi erwähnt einen Pietro Luzzo aus Fel- 
tre, Zarato oder Zarotto genannt, der aus Giorg0ne's 
Schüler sein Nebcnbuhler geworden und ihm eine übermässig 
geliebte Frau entführte, über deren Verlust, wie Einige erzähl- 
ten, er vor Schmerz starb, wiewol Andere ihn an einer Krank- 
4) Die Gnllerie Manfrin (nicht Manfrini) in Venedig enthält meh- 
rere geistreiche Gemälde des Giorgione, welche man pnetisch ro- 
mantische Bilder nennen möchte, weil sie weder aus der Geschichte, 
noch aus der Fabel entlehnt sind, sondern der Künstler die Rege- 
benheiten selbst erdichtete, Auch stehen sie höher, als Genrebilder, 
weil sich in ihnen ein hewegteres inneres Leben ausspricht, als in 
jenen. S0 z. B. erblickt man in dem einen Bilde, welches drei Ve- 
nedigerinnen vorstellt, drei verschiedene Temperamente. Ein zwei- 
tes, wo ein edler Venediger, von seinem Pagen begleitet, mit einem 
schönen Mädchen pricht, liit auf ein folgenreiches Verhältniss 
schliessen. Ein drittes Bild ist sehr unterhaltend, wo ein alter 
Türke an einemTische sitzt, wie es scheint, mit seinen Handels- 
angelegenheiten beschäftigt. Hinter ihm sitzt ein entzückend schönes 
Weib in weissem Gewande, vor welcher ein schöner nackter Knabe 
liegt und ein Franke schleicht sich unbemerkt herbei. 
Ich selbst besitze ein schönes Bild dieser Art von Giorgione. 
In den Schatten eines Waldes ruht eine Dame an einem See und 
singt begeistert zu den Tönen der Laute, die sie spielt. Von Gefühl 
und Rührung hingerissen scheint sie in Geängen Geheimnisse ihres 
Herzens zu verrathen, über welche ihre Frauen, die sie begleiten, 
überrascht erstaunen, GiorgoneUs seelenvollstes Bild ist viel- 
leicht das in der Gnllerie zu Dresden: Jacob und Rubel. Q.
        

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