Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1291599
Zweiter Zeitraum. 
Giorgione, Tiziauo, 
Tintoretto etc. 
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tinten sind nie grünlich, oder eisenfarbig, sondern schön und 
wahr; mit einem lvorte, er kommt mehr, als ein anderer, mit 
Coreggio überein, wenn Mengs nicht irrt 3). Darum will 
ich nun zwar nicht behaupten, dass Vin ci gar nicht zu Gior- 
gione's neuem Style mitgewirkt hätte. Jedes NVachsthum der 
Malerei gründet sich auf einen Reigenfülzrer, der seiner Neuheit 
Wegen bewundert, die Gegenwärtigen durch Beispiel, die Ab- 
wesenden durch Gerücht auf das führte, was der Kunst noch 
fehlte; und so sind hier und da Geister aufgestanden, welche 
Sie in der angegebenen Art förderten und verbesserten. S0 er- 
ging es, wenn ich nicht irre, der Perspective nach Pier della 
Francesca, so den Verkürzungen nach Melozzo, und so 
dem Helldunkel nach Lionardo. 
Gior gioneäs Arbeiten waren grossentheils Fresken an den 
Giebelseiten der Hüuser, besonder in Venedig, wo jetzt nur 
noch einige Ueberbleibsel vorhanden sind, lediglich um den 
Verlust des Uebrigen zu beweiuen. Dagegen werden dort und 
anderwärts wYieIe Oelgemälde von ihm sehr wohl erhalten in Pri- 
vathäusern aufbewahrt; und man will dies dem starken Farben- 
auftrag und seinem vollen Pinsel zuschreiben. Vor allem sieht 
man von ihm Bildnisse, welche durch das Seelenvolle, die Miene 
der Köpfe, die sonderbare Bekleidung, den Lockenhau, die Fe- 
derbüsche und Waffen und das frische lebendige Fleisch wun- 
dernswürdig sind; denn, obwol er meistens sehr blutrothe und 
kühne Tinten brauchte, so vereint er damit doch eine solche 
Anmuth, dass er nach tausend Nachahmern immer noch einzig 
bleibt. Ridolfi, der diese Tinten zergliederte, fand, dass sie, 
nach Art der alten griechischen, sparsam, und ganz frei von dem 
Gelb, Grau und Himmelblau waren, welche später als vermeint- 
lich natürliche aufkamen. Sehr selten sind Compositionen von 
ihm, wie zu Trevigi auf dem Monte di Pietät der todte Christus 
und zu Venedig der heil. Omobono in der Schule der Schnei- 
3) Hier irrt aber wol Mengs; denn Giorgioneü! Anmuth ist 
mehr eine jugendlich kräftige, und die des Coreggio, so zu sagen, 
eine kindische und weibliche. Giorgioneüs Bilder sind immer 
ungesucht und natürlich, die des Coreggio oft. zierlich und nicht 
absichtlos. GiorgioneHs Cuiorit ist das eines warmen Sommer- 
abends, das des Coreggin mit der Färbung eines hellen P'rüh- 
lingstag vergleichbar. Q-  
H. Bd. E
        

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