Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1291545
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Oberitalien. 
Venediger 
Schule. 
giibe gewesen und dagegen idoeh andern Schulen so selten zu- 
gekommen? Mithin muss man Alles von der Behandlung der 
Farbe herleiten, worin die besten Venediger den übrigen Besten 
in Italien thcils gleich verfuhren, theils aber auch anders. 
Man pflegte damals gewöhnlich die Tafeln, oder die Leinwand, 
worauf man malen wollte, mit Gyps vorzuriehten; und dieser 
wcisse Grund, der jeder aufgetragenen Tinte zusagte, gab ihr 
auch zugleich etwas wunderbar Leuchtendes, Blühendes, Durch- 
sichtiges. Diesen durch Habsucht und Faulheit abgckommgnen 
Brauch fängt man doch jezt glücklicherweise wieder an zu erneu- 
ern. Aber ausserdem hatten die Venediger auch noch einen Kunst- 
griff, den man wohl ihnen eigen nennen kann. Die Meisten 
nämlich in jenen drei Jahrhunderten trugen die Farbe nicht sowol 
teigartig aufklebend, als vielmehr hinwerfend und tupfend auf; 
hatten sie nun jede Farbe an ihre Stelle gesetzt, ohne sie sehr zu 
quälen oder durchzurühren, so verstärkten sie dieselbe immer 
mehr, so dass die Tinten frisch und reinlich blieben; was denn 
freilich nieht- allein eine Sicherheit der Hand und des Geistes, 
sondern auch Erziehung und gleich von demfriihesten Jahren an 
gebildeten Geschmack voraussetzt. Daher pflegte Veoeliio zu 
sagen, fleissige Bilder könne jeder fleissige Maler nachmalen, 
aber einen Tizian, einen Paolo nachmalen, ihren Pinselwurf 
nachahmen, das könnten nur Venediger, möchte ihnen das an- 
geboren, oder doch angelernt seyn. (Boschinip.274). Fragt man 
nun, welche Vortheile dies Verfahren gewähre, so führtB o s ch ini 
zwei bedeutende an. Einmal wird mit dieser Art von Farbenauf- 
trug, welchen er den fleck- oder streckweisen und handfertigcn 
nennt, leichter die Härte vermieden; dann aber treten auch da- 
mit die Arbeiten in der Ferne besser hervor; und da doch Ge- 
mälde nicht gemacht sind, um sie unmittelbar unter den Au- 
gen zu haben, sondern aus der Ferne zu geniessen, so wird 
auf diese Weise die Absicht leichter erreicht. Ich weiss wohl, 
dass die Neuern diese Grundsätze misbraueht haben; aber man 
verstehe sie nur gehörig! Dazu will ich auch nur die Besten 
aus dieser Schule als Muster aufstellen, welche die Art und die 
Gränzen dieses Verfahrens gründlich tief verstanden. Aber 
auch die Verwandschaft der Farben verstanden sie besser, so 
dass die Art, wie sie dieselben einander nahe brachten, oder 
cntgegcnsezten, ein zireiter Grund des Ergetzliehen und Hei-
        

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