Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1291485
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Oberitalien. 
Venediger 
Schule. 
Aus Brescia kennt man in dieser Zeit zwei tüchtige Ma- 
lexywelche die Niederlage und Plünderung dieser wohlhabenden 
Stadt durch Gaston von Foix 1512 erlebten. Der eine ist 
Fioravante Fcrramola, der bei dieser Gelegenheit vom 
französischen Sieger seiner Tüchtigkeit wegen, die noch in 
mehrern Kirchen seiner Vaterstadt sich bewährt, geehrt und 
lbelohnt wurde. Ein heil, Hieronymus ist alle Grazie, ein 
wohl ersonnenes Bild mit schöner Landschaft, gleichsam ein Vor- 
sehmack von Muziano. Man möchte ihn dessen Vorbild, 
wenn nicht Meister nennen... Der Zweite ist P3010 Zoppo, 
der jenes Unglück der Stadt auf ein Krystallbecken lange und 
mühselig malte, um dem Doge Gritti ein Geschenk damit zu 
machen; als er es aber nach Venedig brachte, zerbrach un- 
glücklicherweise das Gefäss und der Maler starb aus Herzleid 
darüber. Proben seines Styls, die noch in Brescia sind, unter 
andern ein Christus, der nach der Sehedelstätte lgeht, zu S. Pie- 
tro in Oliveto (von Andern fälschlich nach F oppa verlegt) zei- 
gen, dass er sich der modernen Malerei sehr näherte und die 
BelliniWvohl kannte. '   
Endlich hatte Bergamo in Andrea Previtali einen der 
treiilichsten Schüler Gian Bellini's. Er scheint weniger 
belebt, als der Meister und in den Extremitäten minder schul- 
gereeht; auch habe ich nichts von ihm gesehen, das nicht al- 
ten Geschmack verriethe, entweder in Stellung der Figuren, 
oder kleinlicher Verzierung der Beivaerke. Dessungeachtet scheint 
er in einigen, vielleicht piitern, Bildern, wie Johannes dem 
'l'äufer zu S. Spirito, dem heil. Benediet im Dom zu Ber- 
gamo, und in mehrern Bildern der earrarisehen Gallerie, dem 
neuen Style sehr nahe, und ist unbestreitbar einer der ausge- 
zeichnetsten Prospectixraler und Coloristen der Bellinisehen 
Schule. Sehr geschätzt sind seine Madonnen, in deren Gesicht 
er aber" weniger Gian Bellini, als Raffael oder Vinci 
zu folgen söheint. In Mailand habe ich zwei unter seinem 
Namen gesehen, eine beim Ritter Melzi, die andere beim Erz- 
priester Rosales vonil522; beide sind mit andern Heiligen um- 
geben, die Köpfe auch hier gewählt und wahr. Eine Verkün- 
digung U. H. durch einen Engel in Ceneda ist ein so köstli- 
ches Werk in diesen beiden Köpfen, dass Tizian, wenn er 
dort vorüberkam, von Zeit zu Zeit es mit Entzücken wiedersah,
        

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