Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1291409
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Oberitalien. 
Venediger 
Schule. 
Bellini, seines Nebenbuhlers, zur Frau nahm, ihn zu ladeln, 
und zugleich zu belehren anfing, hcreuete er seine Güte. An- 
drea, in einer Akademie gebildet, welche nach Marmorbildern 
studirte, schützte ganz besonders manche griechische Basrelifs 
alten Styls, wie das der vornehmsten Götter auf einem capito- 
linischen Altar. Er strebte also ganz nach Richtigkeit und 
Genauigkeit der Umrisse, Schönheit der Ideen und der Körper; 
und so nahm er nicht nur diese eng anliegende Bekleidung, 
die parallelen Falten, das Fleissige im Einzelnen an, das leicht 
in Trockenheit ausartet, sondern vernachlässigte das, was die 
todten Bilder beseelt, den Ausdruck. Dagegen fehlte er beson- 
ders in dem Martyrthum des heil. Jakob zu den Erlemitanern, 
und Squarcione unterliess nicht, ihn bitter zu bespötteln. 
Dergleichen Sticheleien brachten ihn auf einen andern Weg; 
und als er daher dem heil. Jakob gegenüber ein Ereignis aus 
des heil. Christophs Leben malte  belebte er seine Figuren 
schon mehr; da er nun um diese Zeit für die Kirche zur heil. 
Justina den heil. Marcus, als er das Evangelium schreibt, malte, 
so drückte er auf seinem Gesiehte die Aufmerksamkeit eines 
Denkers, und die Begeisterung eines unter höherer Eingebung 
Stehenden aus. Förderte ihn aber Squarcione so durch Ta- 
del, so wirkten auch die Bellini vielleicht durch Verwandt- 
schaft und Freundschaft auf ihn ein. Zwar war er wenig in 
Venedig, aber gewiss unterliess er dann nicht, das Gute dieser 
Schule zu lernen; und auf einem seiner Bilder bemerkt man 
Landschaften und Grüne in ihrem Charakter, und eine Saftig- 
keit der Tinten, welche die besten Venediger seiner Zeit nicht 
zu beneiden braucht. Ich weiss nicht, 0b er, oder ein anderer 
den Bellini die von Barbar-o so sehr empfohlene Perspec- 
tive gelehrt; wohl aber, dass Lomazzo in seinem Tempio 
della pittura 11.53 schreibt, Mantegna sei der Erste gewesen, 
der in dieser Kunst uns die Augen geöffnet. Auch weiss ich, 
4]) Obwol diese Gemälde durch Feuchtigkeit sehr gelitten haben, 
so tbnn sie doch noch eine grosse Wirkung. Nur ist die Fär- 
bung grauer, als in Mantegntvs Oelgemälden. Die Beleuchtung 
hat auch etwas Ivlanierirtes dadurch, dass die Gestalten SO beleuchtet 
sind, als wenn _man ein Basrelief ganz scharf von einer Seite mit 
einem Lichte beleuchtete, so dass an dem einen Contour das höchste 
Licht, an dem andern der tiefste Schatten ist. Q.
        

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