Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295420
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Oberitalien. 
Mailändische 
Schule. 
Carlo Francescounter den Malern, weil sie, wenn gleich 
nicht Geistliche, doch eine kindliche Frömmigkeit gegen U. L. 
F. hegten; eine Frömmigkeit, welche von den ersten Kirchen- 
vätern herab aus Hand in Hand wie ein Pfand der Auser- 
wählten gegangen ist. 
Der jüngere Bruder ist ein Grossmaler von mehr Feuer 
und Phantasie, aber nicht immer gleich wählsam, und gleich 
frei von allzu starken Schatten. Er malte weit mehr als 
Carlo, nicht blos für die obengenannten lombardischcn Städ- 
te, sondern auch für das venediger Gebiet und mehrere Kir- 
chen in Brescia. Seine Bilder in S. Domenico zu Cremona, 
besonders daslgrosse auf Leinwand, der vom Heiligen erweckte 
Todte, mit schönen Bauwerken verziert, voll lebendigen, 
höchst natürlichen Ausdrucks, sind seine besten Arbeiten. Sie 
mögen wol aus seinen jüngcrn kräftigen Jahren seyny; denn 
andere verrathen das Alter, indem er bis in das achtzigste Jahr 
malte, wo ihn der Tod fällte. 
Mir ist nicht bekannt, oh er namhafte Schüler hinterlas- 
sen. Von seinem Bruder Carlo ,Francesco ward Gio- 
sefFo Zanata unterrichtet, nach OrlandPs Urtheil ein 
gebildeter Maler. Unter ihm und hierauf unter den Venedi- 
gern studirte Federigo Panza und malte kräftig und dreist, 
in spätem Jahren sanfter. Der turiner Hof brauchte und be- 
lohnte ihn. Dieselbe Schule besuchte Filippo Abbiati, ein 
Mann von weitumfassenden Gaben, geboren für weitschichtige 
Arbeiten, fruchtbar an Ideen, entschlossen in ihrer Ausführung. 
Er malt mit einer gewissen Freiheit und, wie man es nennt, 
Verachtung, weiche, wenn auch nicht vollendet, doch gefällt, 
und noch mehr gefallen würde, wenn sie nur tiefer in Kunst 
begründet wäre. Er malte an der grossen Decke in-S. Ales- 
sandro Martire mit Federigo Bianchi und mit andern 
tüchtigen Künstlern an andern Wandbildcrn, und überall drückte 
er Spuren seines grossen Genius ein. Vorzüglich scheint er 
sich in einer Predigt des Täufers in Sarono gefallen zu haben, 
wo er seinen Namen beisetzte. Das Bild hat wenig, aber 
schöne und wohl von einander unterschiedene Figuren, starke 
Tinten und gehörig angebrachte Schlagschatten, welches eine 
sehr schöne Wirkung thut. Sein Schüler, Pietro Maggi, 
glich ihm nicht an Sinn und übertraf ihn an Eil, Gin-
        

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