Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295357
III. Zeitr. 
Die 
Procaccini und Andere. 
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tener Geist, der, von Cerano, dann von dem noch bessern 
Procaccini unterrichtet, den Erstern ohne Widerrede, und 
nach der Meinung Vieler auch den Zweiten übertraf, wiewol er 
den Kreis von vierzig Jahren nicht zuriicklegte. Mit einem 
scharf auffassenden, leicht ausführenden Geiste begabt, ahmte 
er an seinen Meistern das Beste nach und vermied das minder 
Lobenswerthe; vielleicht lernte er die Grundsätze der Caracci- 
sehen Schule kennen, auch ohne sie zu besuchen, und übte 
sie glücklich aus. Er hat viel davon in dem, was Vertheilung 
der Farben ist; in dem Auffassen der Gesichter ist er ver- 
schieden, jedoehwählsarn und {leissig in Stellungen und Ge- 
bärdungen, wie sie den jedesrnaligen Gemüthsbcwegungen an- 
gemessen sind, vor allem wunderbar im Ausdruck einer schö- 
nen Seele an Heiligen. In Vertheilung der Figuren beobach- 
tet er eine so natürliche und zugleich so wohl verstandene 
Ordnung, dass man keine anders gestellt sehen möchte; ihre 
Kleidung ist sehr verschieden und an YVohlhabenden sehr reich. 
Er cnlorirt üusserst kräftig sowol in _Oel, als auf Kalk; in 
der sehr reich verzierten Passionskirche, WO seine grosse 
Kreuzabnahme ist, hat er viele Bildnisse ausgezeichneter La- 
teraner hinterlassen, die man vom besten TizianPschen Ge- 
schmack nennen kann. Er ist, einer der seltenen Maler, welche 
beständig mit sich selbst wetteifern, mit jederyneuen Arbeit 
die vorige zu überbieten streben, in den letzten die Mängel 
der ersten verbessern, so dass die Gaben, welche in jenen 
erst zu entstehen scheinen, in diesen erwachsen und vollendet 
sich zeigen. Seine letzten Gemälde, aus des Heil. Bruno Le- 
ben in der Karthause zu Mailand, sind seine am meisten be- 
wunderten Arbeiten. Berühmt unter alleneisl: das des Pariser 
Doctors, der, auf seiner Bahre aufgerichtet, seine Verwerfung 
kund giebt. Welche Verzweiflung in ihm! welcher Schrecken 
in den Umstehenden! Sehr gelobt wird auch das andere, wo 
der Herzog von Calabrien, auf die Jagd gehend, den Heil. Ein- 
siedler cntdeckt, und worunter steht Daniel Crispus mediola. 
nensis pinxit hoc templum cm. 1629. Dies war ein Jahr vor 
seinem Tode; denn 1630 raffte leider die Pest ihn und sein 
ganzes Geschlecht dahin. 
Nachträglich führe ich noch einige Künstler an, deren 
Verdienst gewiss, wenn auch ihre Schule ungewiss ist. So
        

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