Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295344
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Oberitalien. 
Mailändische 
Schule. 
Fleekens im Novarischen, aus einem Malergeschleeht, welches 
in S. Maria di Bnsto Angedenken hinterlassen hat, indem dort 
der Grossvater Gio. Picro, und Raffael, ich weiss nicht 
0b Vater, oder Üheim unseres Gio. Batista, malten. Er 
studirte in Rom und Venedig und vereinte mit der Malerkunst 
eine grosse Kenntnis der Baukunst und Plastik, ja Erfahren- 
heil: in schöner Literatur und ritterlichen Künsten. Mit diesen 
Vorzügen herrschte er stets sowol am mailiindischen Hofe, 
der ihn besoldete, als bei den grossen Unternehmungen des 
Card. Federigo und bei der Leitung der Akademie. Seiner 
Bauten, Standbilder und Basreliefs, die er fertigte, oder zeich- 
nete, als meinem Zwecke fremder, nicht zu gedenken, malte 
er viele Bilder, welche neben grossen Vorzügen auch, wenn 
ich nicht irre3), grosse Fehler haben. Er ist immer frei, 
geistreich, einhällig, nicht selten aber durch erkünstelte An- 
muth oder Grossheit manierirt. So neigen sich in einigen 
Bildern alla Pacei die nackten Figuren zum Sehwerfülligen, 
die Bewegungen mehrerer zum Gewaltsamen. Anderwärts hat 
er diese Fehler gemildert, dafür aber wieder die Schatten un- 
gebürlich überladen. Bei dem allen ist des Guten und Schö- 
nen so viel in seinen meisten Arbeiten, dass er als einer der 
besten Meister der Schule da steht. S0 ringt er in der Taufe 
des heil. Augustinus zu S. Marco mit Giulio Ces are Pro- 
eaccini ihm gegenüber und besiegt ihn, nach dem Urtheil 
Einiger; so übertrifft er zu S. Paolo in den Heil. Carl und 
Ambrosius die Campi wenigstens in gesehmackrollem Colorit; 
so drückt er Nuvolonies schönes Wandbild zu S. Lazzaro 
durch seinen berühmten Rosenkranz nieden. Ganz besonderes 
Talent hatte er im Vögel- und Vierfüsslermalen und malte 
dergleichen Cabinetstücke, wie man aus Soprani's Leben 
des Sinibaldg Scorza ersieht. Er bildete mehrere Schüler, 
dgie einer spütern Zeit vorbehalten bleiben, den Mailänder Da- 
niele Crespi ausgenommen, welcher der Würdigkeit und 
Zeit halber,  welcher er lebte, nicht von seinem Meister zu 
trennen ist.   
 Daniele ist einer der. grossen Italiener, welche man 
kaum ausser ihrem Vaterlande kennt 4). Aber er war ein sel- 
3) Lanzi irrt nicht. 
4) Ist eben" auch nicht Schade.
        

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