Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295167
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Oberitalien. 
Mailändische 
Schule. 
dieser Himmelskörper und ein, entsprechendes Metall an und an 
diese misgeborene ldee knüpft er noch andere ausschweifen- 
dere. Darum und wegen der ermüdenden Weitsehweiiigkeit, 
so wie des Mangels an einem genauen Register, werden seine 
Abhandlungen wenig gelesen und es verlohnte sich schon der 
Mühe, sie umzuarbeiten und die Blätter von den Früchten zu 
sondern. Denn sie enthalten nicht nur eine Menge anziehen- 
der geschichtlicher Nachrichten, sondern auch trefilieher An- 
sichten von Denen, welche Leonardo und Gaudenzio 
kannten, ihm mitgetheilt, richtige Bemerkungen über das Kunst- 
verfahren der besten Meister, viele gelehrte über Mythologie, 
Geschichte und alte Sitten. Besonders köstlich sind seine Re- 
geln der Perspeetive, aus Handschriften F oppa's, Zenale's, 
Mantegnaüs, Vinci's (Tratt. p. 264.) zusammengetragen; 
ausserdem hat er auch noch Bruchstücke Bramantinfs 
(S. 276.) aufbewahrt, der in dieser Kunst sehr erfahren war. 
Darum und wegen seiner, wenn auch nicht so gefülligen 
Schreibart, als Vasari's, doch wenigstens nicht so hiero- 
glyphisehen, wie Zuecaro's, oder gemeinen, wie Beschi- 
ni's, verdient Lomazzo's Werk, dass weiter geförderte 
Maler es lesen und die besten Kapitel daraus auch reiferen 
Wissbegierigen mittheilen. Mir wenigstens ist keins bekannt, 
das ein jugendliches Gemüth mit so schönen malerischen Ideen 
für jede Aufgabe befruchten könntef kein anderes bcfeuert und 
unterrichtet sie mehr, Gegenstände des Alterthums zu behan- 
deln; keins lehrt sie das Menschenherz besser kennen, und 
welche Bewegungen es birgt, in welchen Zeichen sie sich äus. 
serlich kund geben, wie sie in einem Lande so, in einem an- 
dern anders sich färben und Welches die Gränzen ihrer Schick- 
lichkeit sind; kurz, keins enthält in Einem Bande niitzliehere 
Vorschriften, einen denkenden, überlegsamen Künstler ganz in 
Lionardo's Geiste zu bilden, welcher Gründer der mailän- 
dischen Schule und, man erlaube mir dies zu sagen, der Ma- 
YIBTWlSSGHSClIäIfC war, die ganz darin besteht, tief über jeden 
Theil der Kunst zu denkenm).   
'29. Es würde zu weit führen, den Gegensatz von Xvissenschaft und 
Kunst zu zeigen und auch den Einigungspunct; nur müssen wir 
warnen, dass der Künstler nicht das ahsirzuztc Denken für ein Pru- 
Iluciiezx hält und sich zur Aufgabe Inacht, sondern das intuitive
        

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