Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295104
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Oberitalien. 
Mailändische 
Schule. 
Als seine Schüler kennt man, so viel ich weiss, nur seine 
beiden Söhne, die im Jahre 1584, als Lomazzo seinen Trat- 
tuto herausgab, noch lebten und von ihm ehrenvoll erwähnt 
wurden. Von Evangelista Luini, dem Zweitgeborenen, 
wie es scheint, sagt er, er sei in Blumengewinden und als 
Verzierer geistreich und wunderlich, und auch in andern Thei- 
len der Malerei ungemein gewesen. Ich wünschte, er hätte 
einige Arbeiten von ihm angegeben. Aurelio wird in diesem 
Werke und wieder im Schauplatz wegen seiner Kenntnis der 
Anatomie, seiner Landschaften und Perspective gelobt. Im 
{Frutlato delle pittura wird er als der beste der damaligen 
Mailänder angeführt, welcher Polidoroßs Style glücklich 
nacheiferte, und ein weitläufige Wandbild am Giehelfelde della 
Misericordia von ihm gepriesen wird. Freier konnte zwei 
Jahrhunderte später Bianconi über ihn sprechen und behaup- 
tete denn, er sei zwar Bernardinoes Sohn, aber nicht 
Jünger gewesen, indem er von dessen reinem Style gar fern 
sei. Und fürwahr befriedigt auch an diesem Künstler, seine 
Composition ausgenommen, nur Weniges. Oft findet man zwar 
des Vaters Styl, aber schlechter und manierirt; die Ideen sind 
gemein, die Bewegungen minder natürlich, der Faltenwurf all- 
täglich und handwerksmiissig. Dies schreibe ich Angesichts 
einiger seiner ausgemachteren Arbeiten, worunter auch ein 
Bild in Melzißs Sammlung ist, mit seinem Namen und dem 
Jahre 1570. Doch hab ich auch bessere in Mailand gesehen, 
namentlichl in S. Lorenzß, wo man ihm die Taufe Christi zu- 
schreibt, die doch aber von Bernardino zu seyn scheint. 
Aurelio unterrichtete Pietrn Gnocchi, und, wenn ich 
nicht irre, übertraf dieser Schüler den Meister in Wahl und 
gutem Geschmack. Da man einen süssen und sorgfältigen 
Maler, Pietro, der für den letzten Luini gehalten wird, 
kennt, so ist mir der Zweifel aufgestiegen, ob dies nicht die- 
ser Pietro sei, von welchem hier die Rede ist, der sich nur 
zuweilen mit dem Stammnamen des Meisters zubenannt habe, 
wie wir dies an Portal und andern des sechzehnten Jahrh. ge- 
sehen. Von diesem ist zu S. Vittore der heil. Petrus, der das 
Amt der Schlüssel bekommt; und in der Nuovu guida wird 
dies Bild wirklich dem Gnocehi zugeschrieben. 
Nachdem wir wie in einem Stammbaum die Nachkommen-
        

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