Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295096
II. Zeitr. 
Vinci stiftet eine Zeichnenschule in Mail. 
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f ael rührt, obwol es nicht dasselbe ist. Es ist immer dem 
Dargestellten angemesen, mag sich die heilige Jungfrau zur 
Vermählung stellen, oder verwundert Simeons Wahrsagun- 
gen anhören, oder, vom grossen Geheimnis durchdrungen, die 
morgenliindischen Weisen empfangen, oder schmerzlich froh ih- 
ren göttlichen Sohn im Tempel fragen, warum er sie so ver- 
lassen. Auch die übrigen Figuren haben eine der Gemiiths- 
art angemessene Schönheit, Köpfe, die zu leben, Blicke 
und Bewegungen, welche Antwort zu fordern scheinen, Man- 
nigfaltigkeit der Anschauungen, Kleider, Stimmungen, alles 
der Wahrheifgemüss; einen Styl, an welchem alles natür- 
lich, nichts gesucht scheint, der beim ersten Anblick gewinnt, 
zu theilweiser Betrachtung einladet, und von welchem man sich 
ungern losreisst. Dies ist Luini's Styl in jener Kirche. 
Wenig verschieden ist er in den übrigen Bildern, die er noch 
eifriger und in reiferem Alter in Mailand malte; und ich be- 
greife nieht, wie Vasari sich entschuldigen will, wenn er 
sagt, alle seine Arbeiten seien verständig, da so viele 
ganz hinreissen. Man sehe nur seinen gegeisselten Christus in 
S. Giorgio und sage, wer den Erlöser mit einem liebenswür- 
digern, dcmüthigern, frömmern Gesichte dargestellt. Ferner 
sehe man bei den Littaßs und in andern vornehmen Hüusern 
seine ileissigern Cabinetsbilder, und sage, wie viele denn da- 
mals so viel leisteten als er  Uebrigens scheint Lnini kei- 
neswegs langsam gewesen zu seyn, wenigstens, nicht in Wand- 
bildern. Die Dornenkrönung im Collegio del S. Sepolcro, ein 
WVerk von vielen Figuren, wofür er 115 Lire bekam, kostete 
ihm 38 Tage, ohne die elf, welche einer seiner Gesellen dar- 
auf verwendete. Solche Gesellen brauchte er auch beim Chor 
zu Sarono, im grössern Kloster zu Mailand, in mehrern Kir- 
chen des Lago Maggiore, und anderwärts; und so mag denn 
wol diesen das minder Gute in seinen Bildern zuzuschreiben 
Seyn u)-  
20) Merkwürdig sind auch (nach Kühlen im Kunstbl, 1322 
N. 49, vgl. 1823 N. 1.) Bern. Luiui's Frescobilxler im Frau- 
ciscanerkloster degli Angeli zu Lugano; darunter besonders Kreu- 
zigung und Passionen, über 80 Figuren; S. Sebastian und noch ein 
Heiliger; das letzte Abendmul; Madonna, Christus und Johannes. W. 
21) Man muss fast eiue Zeit beneiden, wo Luino Gesellen fin- 
den konnte, die ihm so an so seelenvollen Werken halfen, Q,
        

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