Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295085
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Oberitalien. 
Mailändische 
Schule. 
das vor jedem Maler aufgeschlagene Buch; Geschmack lehrt 
wählen, Üebung fiährt schrittweise zur Vollziehung der Vvnhl. 
Lionardo's Geschmack War dem Raffnels"chen im Zar- 
ten, Anmuthigen, im Ausdruck der Gemüthsbewegungen so ver- 
wandt, dass, hätte er sich nicht durch viele andere Arbeiten 
zerstreut und etwas von seinen übertriebenen Forderungen des 
Vollendetcn nachgelassen, um dafür Leichtigkeit, Angenehme 
und Fülle der Umrisse zu gewinnen, so wäre unwillkürlich 
Lionardws Styl dem Raffaelrchen begegnet, welchem er 
in einigen Köpfen besonders so nahe kommt. Dasselbe glaube 
ich auch von Bernardino, der Vinci's Geschmack zu 
dem seinen gemacht hatte und in einem Jahrh. lebte, das schon 
einer grössern Leichtigkeit und Weichheit entgegenging. Auch 
er begann mit einem minder vollen, an das Trockene 
streifenden Style, wie man offenbar in! seiner Pieta alla Pas- 
sione "sieht; nach und nach aber Tiihrte er ihn mehr an "das 
Neuere heran. Selbst der trunkene Noah, welcher in 
S. Barnabas als eines seiner seltsamsten Werke gezeigt wird, 
hat eine Schärfe der Zeichnung, einen Kleidersehnitt, einen 
Faltcnwurf, der noch an ein Ueberbleibsel des funfzehnten Jahrh. 
erinnert. Mehr entfernte er sich davon in den Geschichten 
zu S. Croce, von 1520, wovon er einige in Sarono fünf 
Jahre später wiederholte, wo er sich selbst zu übertrelfen 
scheint. Diese letztern Arbeiten gleichen zwar der RaffaeP- 
sehen Behandlung am meisten, haben aber doch noch die 
kleinliche Umständlichkeit in den Spitzen, die Vergoldung in 
den Heiligenscheinen, das Gewöhnliche in den Tempelverzie- 
rungen, fast wie bei Mantegna und seinen Zeitgenossen, 
welches Alles Raffael ablcgte, als er zu einem bessern Style 
schritt.   
Ich glaube mithin, dieser Künstler verdankt seinen Styl 
nicht sowol Rom, woher er manche Stiche und Copien- der 
Künstler, die dort geblüht hatten, erhalten konnte, als der 
Akademie VinePs, dessen Grundsätze er ganz besonders ein- 
gesogen zu haben scheint, vor allem aber seinem in seiner Art 
eigenen und wenigen vergleichbaren Genius. Ich sage, in sei- 
ner Art, und verstehe darunter das Süsse, Liebliche, Gefühl- 
volle. In den Bildern zu Sarono hat U. L. F. stets ein Ge- 
sicht, das in Schönheit, Würde, Bescheidenheit nahe an Raf-
        

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