Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295060
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Oberitalien. 
Mailändische 
Schule. 
mit zu seinem Ruhm, dass es seine grossen Künstler nach 
Schaaren, nicht nach Zahlen rechnet. 
Noch ist der berühmteste Nachahmer Vinei' zn erwäh- 
nen, Bernardin Lovino, wie er sich schreibt, oder Lui- 
ni, wie er gewöhnlich genannt wird, gebürtig aus Luino am 
Lago Maggiore. Resta behauptet, er sei erst nach Vinci's 
Abgangs: nach Mailand gekommen und habe bei Scotto ge- 
lernt. Der Vf. der- Guida p. P20. zählt ihn unter Lionar- 
ld0's Schüler, nnd der Zeit nach konnte er es, wenn ich 
nicht irre, wol seyn. Denn wenn Gaudenzio, geboren 
1484, "Schüler Scottws und zugleich Lovinoßs" war, 
wie Lomazxzo Tratt. p. 421. sagt, so folgt, dass Ber- 
nardino schon 1500 Meister war, als Vinci Mailand ver- 
liess.  Und um diese Zeit nun setzt Vasari Bernardino 
da Lupino, der in Sarono die Vermählung und andere Er- 
lebnisse der Jungfrau Maria so zart malte, wo er sagen sollte 
da. Luino, und, mir nicht zu Sinne, eine Anmerkung zu 
Vasari Lupino in Lanino verwandelt, der Gaudenziüs 
Schüler war. Meine Vermuthung über Bernardinws Zeit- 
alter bestätigt das Bildnis, das er zu Sarono in dem Lehr- 
streite des Knaben Jesu von sich selbst gab, wo er sich schon 
alt vorstellte; und daxuals schrieb man das Jahr U. H. 1525, 
wie dort steht w). 
18) Diese Bilder sind von ausserordentlicher Schönheit und "haben 
sich auch in der Farbe vollkommen gut erhalten, wie die meisten 
Gemälde des Luino. Sie sind unlängst von mehrern geschickten 
Kupferstechern gestochen worden. Vorzüglich reich in Erfindung, 
edel im Styl und zart gefühlt ist die Anbetung des Kindes von den 
Weisen, welche dem Heiland Geschenke bringen, und sodann die 
Vermählung der Jungfrau Maria. Luino's Colorit ist wärmer, als 
das des Mareo d'0ggino. Ein röthlicher Tun zeichnet seine Fär- 
bung aus, gleichsam als durchschimmerte ein leichtes, warmes Blut 
eine zarte Haut. Marco's Bilder erröthen, eine leichte Böthe 
fliegt die Blässe seiner Gesichter an. XVas auch B0 ssi p. 135. sa- 
gen mag, so war Luino gewiss nicht in Rom; und war er es ja, 
nur auf sehr kurze Zeit; denn sonst hätte dieser edle Geist gewiss 
Einfluss auf die römische Schule gehabt, wenn auch Raffael da.- 
mals in voller Kraft auf seine Zeitgenossen fort-, oder dessen 
WVerke , noch nach des Meisters Tode, nachwirkten. Plälte Raffael 
noch gelebt, so wäre gewiss zwischen ihm und Bernardo eine 
Freundschaft geschlossen worden, wie die zu Gesare da Sestn, 
und wäre B ernardo erst nach Raffaels Tode naclfllom gekommen, 
so hätte Luino gewiss in jungen Gemüthern (las fortgeptlanzt, 
was wir doch in den Werken der Schüler des Raffael nach des- 
sen Ableben vermissen: ruhige Kraft des Gemüths. In dieser Ueber-
        

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