Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295025
408 
Oberitalien. 
Mailändischc 
Schule. 
G102 
Antonio 
Beltraffio 
S0 
sein 
steht 
Name 
auf 
seiner Grabsehrift  ein mailiindischer Edelmann, übte die 
Malerei in Stunden, wo er von ernstern Beschäftigungen frei 
war", und malte Einiges in Mailand und anderwärts, das Beste 
aber in Bologna, alla Misericordia, wo er auch seinen, seines. 
Meisters Vinci Namen und das Jahr 1500 unterzeichnet hatte, 
was aber jetzt nicht mehr zu lesen ist. Es stellt U. L. F. 
zwischen Johannes dem Tiiufer und dem heil. Bastian dar, am 
Fusse des Thrones kniecnd Girolamo da Cesio, der das Bild 
bestellte. lEs ist Beltraffio-"s einziges öffentliches, und 
darum schiitzbares Werk. Alles verkündet seine in Köpfen 
höchst geachtcte, in der Composition überlegsame, in den Um- 
rissen duftige verschmolzenc Schule; [nur die Zeichnung ist 
etwas trockener, als bei seinen Mitschülern; vielleicht in Felge 
seiner ersten Bildung unter den Mailiindern des funfzehnten 
Jahrh., die nicht ganz schulgerecht zeichneten. 
Fraucesco-Melzi, auch ein edler Mailänder, wird 
unter Lionardo's Schüler gezählt, wiewol er in frühester 
Jugend von ihm in der Zeichnung unterrichtet ward. Er nä- 
herte sich Vinci's Manier mehr als Einer, und lieferte Bilder, 
die oft mit denen des Meisters verwechselt werden U), arbeitete 
aber wenig, weil er reich war. Vinci liebte ihn sehn, weil 
er mit einem sehr schönen Gesicht auch ein höchst dankbares 
Gemiith verband, so dass er dem Meister auf einer letzten 
Reise nach Frankreich folgte. Er ward aber auch dafür be- 
lohnt, indem er Lionardo's Zeichnungen, Instrumente, 
Bücher und Handschriften erbte. Er hinwiederum sorgte für 
Lionardois Ruhm, indem er Vasari und Lomazzo 
Nachrichten über sein Leben lieferte und der Nachwelt das 
kostbare Pfand seiner Schriften bewahrte. So lange diese vie- 
llen Bände der Ambrosischen Bibliothek vorhanden seyn Wer- 
den, wird auch die Welt Grund haben, ihn für einen der er- 
sten Hersteller nicht nur der Malerei, sondern auch der Statik, 
l-Iydrostatik, Optik, Anatomie zu halten.  
Andrea Salai, oder Salaino empfahl sich dem 
Vinci ebenfalls durch sein Gesicht und Gemiith, und er nahm 
ihn zu seinem Diener, wie man es damals nannte, der ihm 
Amoretti 
stur. 
Mein. 
V izwi. 
130.
        

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