Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295005
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Oberitalien. 
Mailändische 
Schule. 
kannte er und malte mit ihm auf der Burg Ostia; und in 
dieser Arbeit, die eine der ersten Bnldassavs war, scheint 
Vasari dem Mailänder mehr Lob zu ertheilen. Er wird für 
Vincißs besten Schüler gehalten, und von Lomazzo überall 
als Muster in Zeichnung, Gebärden und beonders Beleuchtung 
aufgestellt. Er führt eine Herodias von ihm an, wovon ich 
eine Copie bei Pagliave sah; es schien mir ein der RafFaeP- 
sehen Bäckerin höchst ähnliches Gesicht. Eine sehr RnHaeP- 
sche heil. Familie hat der Ritter Girolamo Melzi, welcher 
vor einigen Jahren ausser dieser auch jenes so berühmte Altar- 
bild aus S. Roco mit schwerem Gelde ankaufte. Es ist in 
mehrere Felder abgetheilt. In der Mitte ist ausser dem Kir- 
chenheiligen U. L. F. mit dem Kinde, der RaifaePsehen in 
Foligno nachgeahmt. Aus dem Sacramcntstreit desselben Mei- 
sters hat er den heil. Johannes den Täufer auf Wolken ge- 
nommen, welchem er einen Johannes den Evangelisten eben- 
falls auf Wolken beigesellt hat. Diese schmücken den obern 
Theil des Gemäldes, den untern zwei halbnackte Heilige, Chri- 
stoph und Sebastian, beide trefflich im Charakter, der zweite 
in sehr schönen und neuer Verkürzung. Es sind Figuren et- 
was grösser, als die Poussinschen, und so Coreggisch, sagt 
Biancone, dass man sie diesem Meister zuschreiben würde, 
wüsste man den Namen des Urhebers nicht gewiss; so gross 
ist die Weichheit, die Einheit, die Klarheit des Fleisches, der 
Geschmack der Farbe und der durchgängigen Einhälligkeit des 
Ganzen. Dies Bild war mit zwei Läden verschlossen, worauf 
auch gewissermassen gleichartig die beiden Apostelfürsten, und 
zwei Heilige zu Pferde, Martin und Georg, gemalt sind, nach 
denselben Grundsätzen, aber nicht gleich fleissig. Woraus zu 
erachten, dass dieser Maler nicht immer, wie Vinci, Meister- 
werke zu liefern strebte, sondern, wie Luini, sich begnügte, 
von Zeit zu Zeit eines aufzustellen. 
schaft und Styl, in welchem ein Künstler bildet, und dass es aller- 
dings zu verwundern ist, wie zwei Künstler Freunde seyn und doch 
in verschiednen Stylen schaffen können; dann die Freundschaft setzt 
eine Uebereinstilnmung der Gefühle voraus, und der Styl des Künst- 
lers ist der ichtbare Tjpus der innem Anschauungsweise seines 
Gemüths. 4- Dieses Hinneigen des Cesnre zu Raffael trat auch 
wirklich ein und ward in des Erstem Werken sehr fühlbar. 
        

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