Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1294990
110 zeitro 
Vinci stiftet eine Zeichnenschule in Mail. 
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und blühende Zeit dieser Schule ausmachen. Diese sind nicht 
gleich bekannt, und oft werden in Gallerien Bilder aus der 
Vinci'schen Schule vorgezeigt, ohne bestimmte Namenangabe. 
Ihre Altarbilder treten selten aus dem damals gewöhnlichen 
Kreise von Darstellungen heraus, einer Madonna mit dem 
Kinde auf einem Thron von einigen zumeist stehenden Heiligen 
umgeben und einigen Engeln auf den Stufen. Doch verbanden 
die Vinci'sten, wenn ich nicht irre, zuerst die Figuren zu 
einer Einheit der Handlung, so dass sie unter einander zu spre- 
chen und zu verkehren schienen. Auch in allem Uebrigen ha- 
ben sie einen fast einförmigen Geschmack, dieselben Gesichter, 
etwas eirund, lächelnden Mund, bestimmte, zuweilen trockene 
Umrissen dieselben gewählten gemässigten und wohl verbun- 
denen Farben, dasselbe Studium des Helldunkels, von minder 
Geschickten bis zum Düstern getrieben, von Bessern mässig 
gebraucht. 
Am nächsten kam in einer gewissen Zeit seinem Style 
Cesar da Sesto, auch Cesare Milanese genannt, den 
weder Vasari, noch Lomazzo, wol aber die Neuem, unter 
seinen Schülern erwähnen. Von ihm ist in der ambrosischen 
Bibliothek ein alter so ganz Lionardisch fleissiger und abge- 
stufter Kopf, dass es zu verwundern ist. In einigen andern 
Werken neigt er sich sehr zu Raffael, den er in Rom ken- 
nen lernte; ja, nach einer Sage soll dieser Fürst der Malerei 
eines Tages zu ihm gesagt haben: es ist doch sonderbar, dass 
wir als so gute Freunde doch hinsichtlich der Malerei so gar 
keine Rücksicht auf einander nehmen; als wetteiferte er mit 
Ccsare und dieser mit ihm"). Auch Baldassar Peruzzi 
edel und gefasst, ernst und kräftig, zeigt er sich im Glück, in be- 
denklichen Lagen und dem Sturme der Zeiten, wie in Lösung grus- 
ser und schwerer Kunstaufgaben. w- Ein hoher Geist sprach in 
unsern Tagen die gewichtigen Worte: 
Es bildet ein Talent sich in der Stille, ' 
Und ein Charakter im Geräusch der Welt. 
Doch das Schicksal sorgte für beides, um die Aufgabe durch Leu- 
nardo zu lösen, wie ein Mensch nach innen und aussen sich 
vollständig entwickle.  
12) Man muss sich mehr darüber wundern, wie Lz. RaffaePs 
Aeusserung so ganz misverstehen konnte, als über die Aeusserung 
selbst. Allein so werden edle Gemüther immer von der Menge misr 
verstanden, 11m, der bei Künstlerin nur an den elenden Wetteifer 
denken konnte, begriff nicht den innern Zusammenhang von Freund-
        

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