Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1294945
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Oberitalien. 
Mailändische 
Schule. 
oder führte es nur bis zu einem gewissen Punet aus, wo er 
es dann liegen licss , oder er wendete so viel Zeit darauf, dass 
er beinah das Beispiel jenes Alten zu wiederholen schien, der 
sieben-Jahre an seinem Jalysus arbeitete. Wie man aber die 
Schönheiten jener Figur nie ganz kennen lernte, eben so we- 
nig, nach Lomazzo, die Vollkommenheiten der Vineischen 
Gemälde, selbst derer, die Vasari und Andere als unvollen- 
det angehen. 
Eh ich weiter gehe, muss ich den Sinn des Wortes un- 
vollendet in Bezug auf Vinci näher bestimmen. Aller- 
dings liess er manche Werke halb fertig, wie die Erscheinung 
U. H. in der grossherzoglichen Gallcrie zu Florenz, oder die 
heilige Familie in der erzbischöilichen zu Mailand. Zuweilen 
aber will dies hier nicht mehr sagen, als dass hier und da. 
dem Werke die letzte Hand des Kiinstlersfehle; was oft Ken- 
ner selbst nicht entdecken können. So betrachtete zum Bei- 
spiel Mariette das Bildnis der M. Lisa Gioconda 5), worüber 
er vier Jahr gemalt, und das er dann nach Visconti unvoll- 
endet liess, in der Gemüldesaiumlung des Königs von Frank- 
reich bis in die kleinsten Theile und erklärte es für so voll- 
endet, dass es nicht möglich schien, mehr daran zu thun. 
Leichter ist das Mangelnde an Bildnissen zu erkennen, wie es 
deren, manche in Mailand giebt, z. B. ein Weib beim Fürsten 
Albani, einen Mann im Palast Scotti Gallerati, indem Lo- 
mazzo bemerkt, drei bis vier ausgenommen, habe er an allen 
andern die Köpfe unvollendet gelesen. Aber seine Unvollen- 
dungen und Fehler möchten wol an unzähligen Andern Voll- 
kommenheiten und Tugenden seyn. 
Die Geschichte giebt auch das grosse Abendmahl als un- 
vollendet an, welches er zu Mailand im Speisesaale der Domi- 
nicaner malte, und gleichwol preist sie es einstimmig als ei- 
nes öder schönsten Bilder, das aus Menschenhand hervorgegan- 
gen sei. Es ist der Inbegriff nicht blos alles Dessen, was 
Lionardo in seinen Schriften lehrte, sondern auch mit sei- 
nen Studien umfasste. Er hob darin den Augenblick hervor,. 
 
5) Dies Bild hat, wie Vinci" s meiste Oelgemälde, durch Nachdunk- 
lung der Schatten und wahrscheinlich Erblassen der Lasuren so ge- 
liüen, dass man über den Grad der ursprünglichen Vollendung 
nicht mehr urtheileu kann.  Q,
        

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