Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1294925
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Oberitalien. 
Mailändische 
Schule. 
zu erleichtern. Ausserdem erläuterte er mit seinem vertrauten 
Freunde, _dem Prof. Marcantonio della Torre in Pavia, 
die in Italien wenig gekannte Anatomie des Menschen, und 
stellte die des Pferdes, worin er für den Ersten galt, genau 
dar. Auch weiss man, {wie sehr er die Optik als Hiilfsmittel 
der Kunst schätzte, und 'dass die Luftperspective, die niemand 
besser als er verstand 3), gleichsam Erbe und Auszeichnung 
seiner Schule gewesen. Er war nicht nur grosser Tondiehter 
und Leierspieler, sondern auch Dichter und Geschiehtkenner; 
und auch hierin folgten ihm Luini und Andere; ja, ihm hat 
es hauptsächlich die mailändische Schule zu danken, dass sie 
alterthümliche Sitte und Brauch so treu beachtet hat. Mengs 
hat schon vor mir bemerkt, dass in der Gewalt des Helldun- 
kels Keiner Vinci übertroifen. Er lehrte das Licht wie einen 
Edelstein schonen, um es für die gehörigen Stellen aufzuspa- 
ren; daher in seinen und seiner besten Schüler Gemälden die 
grosse Rundung, wodurch besonders die Gesichter sich aus dem 
Grunde hervorzuheben scheinen. 
Schon lange hatte die Malerei sich zu verfeinern und Klei- 
nigkeiten zu erwägen angefangen, worin Bottieelli, Man- 
tegna und Andere sich rühmlich hervorgethan hatten; da je- 
doch die Kleinlichkeit Feindin des Erhabenen ist, so stimmte 
sie nicht zu der Grossheit, worin das Höchste der Kunst he- 
steht. Lionardo vermittelte diese Gegensätze, meines Be- 
dünkens, eher als Andere. Wo er etwas Vollendetes zu geben 
trachtete, führte er nicht nur die Köpfe vollkommen aus, gab 
den Glanz der Augen, Haare, Poren, ja das Schlagen der 
pulsadern genau wieder, sondern auch jedes Kleid, jedes G0- 
räth; auch in Landschaften war kein Kraut, kein Blatt, da; 
nicht ein Nachbild der mit WVahl angcschauten Natur war; den 
Blättern selbst gab er eine Beugung und Bewegung, wie sie 
nöthig war, wenn er sie vom Winde bewegt darstellen wollte, 
Indem er aber so Kleinigkeiten beobachtete, gab er auch, wie 
Mengs bemerkt, die Grundlehren der Grossheit und erforschte 
den Ausdruck, welcher das Geistigste und Erhabenste in der 
Malerei ist, auf das Tiefste und bahnte, man erlaube mir so 
3) Cellini gesteht, aus einem Gespräch VincPs unendlich viel 
schöne Bemerkungen über Perspective gewonnen zu haben. Tr. II, 
p. 153. L.
        

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