Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1294809
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Oberitalien. 
Mailändische 
Schule. 
bestohlen. Dergleichen Behauptungen, wie sie bereits zum Theil 
Pagave in den Anmerkungen zu Vasari Th. III. S. 233. 
widerlegt hat, beruhen auf dem Wahne, dass F oppa vor 
Piero della Francesca gelebt, durch welchen in der That 
die Perspective in Italien anfing bedeutende Fortschritte zu 
machen. Nach diesem war Foppa einer der ersten, welche 
diese Kunst betrieben, wie sich aus dem eben erwähnten Bild- 
chen in Bergamo ergiebt. Zu Mailand im Siechhause sind ei- 
nige Bilder von ihm auf Leinwand; auf Kalk ist das Martyr- 
thum des heil. Sebastian zu Brera, welches in Zeichnung des 
Nackten, Wahrheit der Köpfe, Bekleidung und Tinten viel Lob 
verdient, in Ausdruck und Bewegung aber nicht sonderlich ge- 
lungen ist. Oft habe ich gezweifelt, dass es zwei Vincenzj 
aus ßrescia gegeben; denn Lomazzo merkt im Verzeichnis 
ausser Vincenzio Foppa, den er gegen die gewöhnliche 
Ansicht zu einem Mailänder macht, noch einen Vincenzio 
aus Brescia an, dessen er aber, soviel ich sehe, im ganzen 
Buche "nicht weiter erwähnt. Ich fürchte mithin, dass er, da 
es ausser Mailand einige mit V incenzio Bresciano unterzeich- 
nete Arbeiten giebt, ohne den Zunamen Foppa, in seiner 
Ueberzeugung, dass Foppa ein Mailänder gewesen, aus einem 
Maler zwei gemacht. Es mochte auch wol ein altes Vorurtheil 
der mailänder Schule seyn, welches Lomazzo nicht Ios wer- 
den konnte; denn Nationalvorurtheile legt man immer am spä- 
testen ah. In Morellfs Notizia iindet sich zweimal Vincenzo 
Bressano il vccchio; welcher Beisatz, wenn er nicht, wie bei 
Minzocchi, ein Beiname ist, eben auch von einer falschen An- 
nahme der beiden Brescianer Vincenzj herrühren kann, Es 
ist wiederholentlich bemerkt worden, dass die Benennungen der 
Maler oft nicht aus urkundlichen Schriften, sondern aus dem 
Munde des Volks herrühren, das, was es schlecht vernahm, 
noch schlechter nachspricht!  
Vincenzio Civerchio, bei Vasari Verchio, bei 
Lomazzo, der ihn zu einem Mailänder machen möchte, zu- 
11) Uebrigens spricht der Ungenarmle in den Nntfzie (Popere dz" 
disegno. p. 52. selbst zweifelhaft: la ancona delP altar gramie llclla 
nastru darma von le due jigure per ciascun latß in nicchii rlorati, 
a guazza, fu di man di Maestro Vicema Bressano vecckio, came 
crerlo. Q.
        

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