Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1294715
Erster Zeitraum. 
auf Vinci. 
Die Alten bis 
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an die Longobarden überging, verlegten die Künste, welche im- 
mer des Glücks Hofgeleit sind, ihre erste Wohnung von Ra- 
venna nach Mailand, Monza, Pavia. An jedem dieser Oerter 
ist noch jetzt manche Spur jener Zeichnung, die man noch 
jetzt von Ort und Zeit die longobardische nennt; gerade so 
wie man inder Diplomatik gewisse jener Zeit, oder vielmehr 
jenen Zeiten eigene Schriftzeichen longobardisch nennt; denn 
auch als die Longobarden aus Italien vertrieben waren, dauerte 
doch an vielen Orten dieser Geschmack an Bildner- und Schreib- 
kunst fort. Der in Metall- und Marmorarbeiten ausgesprochene 
Styl, den wir hier meinen, ist roh und beispiellos härter, als der 
der vorhergehenden Jahrhunderte, öfter und" besser übte er sich 
in Ungeheuern, Vögeln und Vierfüsslern, als Menschengcstal- 
ten. Im Dom, zu S.-Michele, zu S. Giovanni in Pavia sind 
an den Thüren Einfassungen von Thieren, die verschiedentlich 
unter einander verkettet sind, oft in natürlicher Stellung, oft 
mit rückwärts gewendetem Kopfe; und innerhalb der genannten 
Kirchen, wie einigen andern, trifft man Knäufe mit ähnlichen 
Figuren, zuweilen mit Handlungen einer andern Art Menschen, 
möchte ich sagen , durchwebt; so unähnlich sind sie uns. Das- 
selbe Verderbnis hier Kunst herrschte in den von den longobar- 
dischen Herzögen beherrschten Orten, wie Friaul, welches noch 
Denkmale jener Barbarei enthält. In Cividale ist ein Marmor- 
altar, angefangen vom Herzog Pemmone, vollendet von seinem 
Sohne Ratchi, die im achten Jahrh. lebten; die Basreliefs 
stellen Jesus Christus unter mehrern Engeln sitzend, seine Er- 
scheinung, die Heimsuchung Mariä dar I). Roher als in die- 
sen Figuren geschehen, scheint die Kunst nicht verderbt wer- 
den zu können; und doch wird, wer an Ort und Stelle die 
Thüreinfassung, oder die Knäufe zu S. Celso in Mailand z), 
Werke aus dem 101611 Jahrh., sieht, gestehen, dass die Kunst 
 sich noch sehr verschlimmern konnte, als sie das Rohe mit 
dem Lächerlichen versetzte und Zwergfiguren schuf, ganz Hände, 
1) Die darauf befindliche Inschrift s. in Bertoli": Antichüd di 
Aguileja. num. 51 G. L. 
2) S. Gaetano Bugati Menwrie criticlzg interne Ze reliquie 
ed il culta di S. Celsa lllartire p. 1. und P. M. Allegranza. spie- 
gaziane e riflessioni sopra alouni sacrz" manumenti da" Milano p. 168. 
L.
        

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