Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1294610
IV. K. III. Zeilr. 
Die Schule d. Campi verschlimmert sich. 
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Ich komme jetzt zu Bernardinots berühmtestem Schii- 
lcr, von welchem ich zuletzt zu reden versprach, zu Ritter 
Gio. Batista Trotti, welcher noch bei Lebzeiten des Mei- 
sters dessen Leben von Lamo geschrieben herausgab. Keinen 
seiner Schüler liebte Campi, wie diesen, dem er eine Nichte 
zur Frau gab und seine WVerkstiitte vermachte. Als dieer 
mit Agostino Caracci in Parma zugleich arbeitete und 
bei Hofe mehr geliel, war er, nach Agostino's Ausdruck, 
ein harter Knochen, woran er zu nagen hatte. Daher bekam 
er den Namen Malosso, den er auch gern annahm und zu- 
weilen unterzeichnete, ja dem Enkel wie erblich hintcrliess. 
Er scheint damit sich zum Lobe gedeutet zu haben, was in 
CaraccPs Munde ein 'l.'adel war; denn dieser wollte doch 
damit sich beschweren, dass man ihm einen Menschen von 
geringerem Verdienst verzog. Und fürwahr, Malnsso war 
dem lblitrverber weder in Zeichnung, noch gediegenem maleri- 
sehen Geschmack gleich; aber er hatte malerisch Anziehendes, 
wodurch er jedem andern gegenüber für sich einnehmen konnte. 
Bernardinws Geschmack folgte er nur in seinen ersten Ar. 
beiten; nachher studirte er Corcggio sehr, und mehr als 
andern mochte er gern Sojaro ähnlich werden, dessen hei- 
tern, olTcnen, glänzenden, in Verkür-zungen mannichfaltigen, 
in Bewegungen muntern Styl er in seinen meisten Werken 
naehahmtc. Er trieb es auch zuweit darin; denn oft mis... 
brauchte er Weiss und andere helle Farben, ohne sie durch 
Schatten hinlänglich abzudämpfen. Daher habe ich seine Bilder 
Porzellnnmalereien vergleichen und des Mangels an Rundung, 
oder, wie Baldinucci sagt, einiger Härte zeihen hören. 
Seine Köpfe sind lieblich; .sie ründen sich mit Anmuth und 
lächeln liebreizend, wie bei Sojaro; aber er verdoppelt sie 
leicht und wiederholt sie auf einem Bilde in sehr gleichförmi- 
gen Zügen, Farben und Gebärden. Dies kann man denn 
nicht; Anderem, als der übermässigen Eil Schuld geben; denn 
Unfruchtbarkeit an Ideen war es bei ihm nicht. Er konnte, 
wenn er wollte, nicht nur in Gesichtern mannichfaltig seyu, 
wie im enthaupteten Johannes zu S. Domenico in Cremona, 
Sondern auch in Compositionen; denn zu S. Francesco und S. 
Agostino in Piacenza, und, wenn ich nicht irre, auch ander- 
wärts stellte er die Empfängnis U. L- F- inlmßr unter einer
        

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