Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1291256
Erster 
Zeitraum. 
Alten. 
Die 
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Lüfte gewöhnlich matt und bleich, um die so schönfarbigen 
Figuren noch mehr zu heben. Auch suchten sie ihre Compu- 
sitionen mit möglichst lieblichen Bildern aufzuheitern; daher 
sie denn in frommen Bildern gern heitere Engelchen anbrach- 
ten, welche sie um die Wette behende und beweglich, bald 
singend, bald spielend, oft mit schön geflochtenen Frucht- und 
Blumenkörbchen darstellten, manchmal möchte man sagen mit 
frischem Thau gebadet. In Bekleidung der Figuren folgten sie 
(lcr Natur und hielten sich am meisten fern von jenem ängst- 
lich kleinliehen und steifen Faltenwurf, von dem Einschnüren 
der Körper auf Muntegnaw Weise, welche andere Schulen 
ensteckte. 
Manche Beiwerke hielten sie hoch, wie sie denn Throne 
reich und prachtvoll, Landschaften erstaunlich wahr nach der 
Wirklichkeit, Bauten hallcn- und tribunenmiissig darstellten. Man 
bemerkt, dass sie sich zuweilen nach der Steinart richteten, 
und bei Altären eine Fortsetzung derselben in das Bild hinein 
sich dachten; daher denn die Aehnlichkeit der Farbe und des 
Geschmacks das Auge täuscht und man zweifelhaft wird, wn 
die äussere Verzierung endet und das Gemälde anfängt 26). 
Auch kann man diese Meister nicht leicht, wie manche Schrift- 
Steller gethan haben, für leidige Handwerker und Handfertige 
halten, obgleich man lieset, dass Serlio Einigen die Bauten 
gezeichnet habe (Notizen p. 63). Dagegen höre man den ge- 
lehrten Daniel Barbara, der in seiner Pratica di prospet- 
26) In diesem Geschmack war Gio. Bellino's Fernung in dem 
berühmten Bilde des heil. Zachariss in Venedig. Auf dem Hochaltar 
Iles Doms in Capo düstria ist ein anderes von Carpaccio dem 
ältern von noch mehr LVirkung. Im Hintergründe des Bildes Sitzt 
Ruf einem prachtvollen Throne U. L. F. mit dem göttlichen Kinde, 
das auf ihrem Schoose steht; um sie herum, auf drei Stufen ver- 
theilt, sechs der verehrtesten Beschützer des Orts, in Tracht und G6- 
bärden höchst maxmichfaltig; und einige Pjngelein, die pielen, und 
mit kindlicher Einfalt den Beschauer anblickend wie zum Mitge-nusß 
auffordern. Zu dem Throne führt eine lange, wohlverstaiadene und 
Wohlßbgeilufte Säulenreihe, die ehmals mit einer schönen Säulenreihe 
von Steinen verbunden war, welche von dem Bilde aus sich dzurch 
die Cüllelle heraus erstreckte, das Auge täuschte, ja wie mit einer 
Perßpective bezaulaerle, nachher aber, als man die steinernen Säuüelt, 
"m die Tribune zu erweitern, wegnahm, auch wegtiel. Die Gr-else 
der StaIdt, die diesen Genuss noch hatten, erzählen den Fremden "m; 
Sehnsucht davon, und ich erwähne dies noch gern, eh das Anden kell 
daran ganz erlischt.  L.
        

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