Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1294555
lV. K. ILZeitr. Camillo Boccaccino. I1 Sojaro. Die Campi. 361 
Schule auszeichnen. Neben den Uebrigen scheint Campi der 
sehüchternste, aber der schulgerechteste; er ist nicht so gross 
als Giulio, aber er hat mehr ldealsehönhcit, und" trifft das" 
Herz mehr. Mehr als dem Giulio gleicht er dem Antonio 
in den langen Verhältnissen, im Uebrigen gar nicht, so dass er 
zuweilen gar an das Trockene zu streifen scheint, wie in Ma- 
riä Himmelfahrt im Dom, um nur nicht in das Manierirte zu 
verfallen.   
 Die Sigmundskirche giebt von diesem Künstler eine in 
jeder Hinsicht grosse Idee. Man kann nichts Einfacheres, 
nichts dem Geschmacke der bessern Zeit Gemässeres sehen, als 
die heilige Cäcilia, welche Orgel spielt, neben ihr die heil. 
Katharina stehend, über ihnen ein Chor von Engeln, welche 
singend und spielend mit diesen unschuldigen Jungfrauen ein 
Tonspiel im Paradiese aufzuführen scheinen. Dieses Gemälde 
und die Verzierung mit Kindern zeigen seine Anmuth. Aber 
auch seine Kraft ist dort an den in grossartigem Styl gemal- 
ten Propheten zu sehen , wie wol er sie mehr würdig und ge- 
bieterisch in Gesicht und Bewegung, als muskelreich und stark- 
gliedrig darstellen zu wollen scheint. Vorzüglich aber zeichnet 
er sich dort in der grossen Kuppel aus, welcher wenig [andere 
in Italien verglichen, sehr Wenige vorgezogen werden können, 
durch Fülle, Mannichfaltigkeit, Vertheilung, Grösse, Absm- 
fung der Figuren, durch Harmonie und grosse Wirkung des 
Ganzen. In diesem Empyreum, diesem grossen Volke von 
Seligen des alten und neuen Bundes ist keine Figur, die man 
nicht an ihren Sinnbildern erkannte, nicht vollkommen von 
ihrem Gesichtspunkte aus sähe, wo alle in natürlichem Ver- 
hältnis scheinen, da sie doch sechs Ellen hoch sind. Dies ist 
eins der wenigen Werke, welche beweisen, dass ein grosser 
Geist schnell und gut arbeiten könne; er lieferte es in sechs 
Monaten, und um die Handlanger zu beschwichtigen, welche 
die Kürze der Zeit wol besser, als das Verdienst der Arbeit 
erwägen konnten, bezeugten ihm Sojaro und Giulio Cam- 
pi, dass er ein lobenswerthes Werk geliefert. Bernardino 
war jünger als sie und Boccaccino, und die Bürger freu- 
ten sich, ihn bald mit dem Einen, bald mit dem Andern in 
öffentlichen Arbeiten wetteifern zu sehen, damit ein ehrsamer 
Wetteifer Alle wach hielte und keinen träumen liesse. Dessen
        

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