Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1294544
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Oberitalien. 
Die cremoner Schule. 
Bianconi scheint ihr nicht zu trauen, und es ist gar nicht 
unwahrscheinlich, dass sie um einige Jahre später als das 
Werk von einer andern Hand hinzugefügt ist. 
Bernardino, vielleicht ein Verwandter der drei obigen 
Campi, ist unter den Seinen, was Annibale unter den 
Caracci. Anfangs von dem ältesten Campi unterrichtet, 
ging er auf dieselbe Absicht ein, einen Styl zu bilden, der 
von Vielen entlehnte; in k_urzer Zeit wetteiferte er mit dem 
Meister und übertraf ihn, wie Viele meinen. Nach seines Vaters 
Wahl hatte. er sich anfangs auf das Goldschmicdegeschiift ge- 
legt; als er nachher zwei von Giulio Campi copirte Tep- 
piche Raffaels sah, gab er sein Handwerk auf, ging in 
Cremona zu Campi, nachher in Mantua zu Ippolito Costi 
in die Schule, bekannte sich im neunzehnten Jahre zur Male- 
rei und wurde darin in so früher Jugend Meister. In Mantua 
hatte er Giulio Romano und seine Schule kennen gelernt; 
ihre Arbeiten mögen ihn wol angeregt und für grosse Unter- 
nehmungen begeistert haben, aber Raffael lag ihm immer 
am Herzen, seine Gemälde, Zeichnungen, Stiche scheinen seine 
Wonne gewesen zu sejn; Giulio und Andern eiferte er wol 
nur nach, wo er seinem Raffael in ihnen zu begegnen 
glaubte. Dort studirte er auch Tizians Cäsaren, deren 
elf waren, und nachdem er sie copirt, setzte er den zwölften 
in so gleichem Style hinzu, dass er nicht nachgeahmt, son- 
dern ureigen schien. Auf Kosten eines seiner Gönner reiste 
er auch nach Parma, Modena und Reggio, um Coreggiws 
Styl kennen zu lernen; wie viel er dort lerntcikönnen seine 
Gemälde in S. Gismondo hinlänglich darthun. Aus diesen und 
andern Grundbestandtheilen nun bildete er sich einen der sel- 
tensten Style, die man bei Nachahmern findet. Nie ist seine 
Nachahmung so unbcwunden, wie zumeist bei andern; sondern, 
so wie Sanazzar die besten lateinischen Dichter nachahmt; 
ieder Vers ist nach ihnen colotirt, aber doch ganz sein eigen. 
Unter diesen verschiedenen Mustern ist das geliebteste, das 
was er am meisten betrachtet, wie Sincerus den Virgil, 
Raffael; und wohl ihm, wenn er Rom und die Urbilder dieses 
grossen Geistes dort gesehen hätte! Dafür half er sich nun 
so gut er konnte und bildete sich einige Grundsätze von Ein- 
falt und Natürlichkeit, welche ihn vor den Uebrigen seiner
        

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