Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1294516
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lV.K. II. Zeitr. Camillo Boccaccinö. II Sojaro. Die Campi. 
zu Mantua, im Pfingstfeste zu S. Gismondo in Creniona ist 
ganz Giuli0's Rüstigkeit; aber mehr als irgendwo trat er 
ihm nach in der Burg Soragno im Parmesisehen, wo er in 
einem grossen Saale die Heldenthaten des Herkules malte, 
welche man eine grosse Schule des Nackten nennen könnte. 
In dem grossen Kirchenbilde zu S. Gismondo, wo unserer 
sitzenden L. F. der Herzog von Mailand und seine Gemahlin 
von ihren Schutzheiligen vorgestellt werden, und so auch in 
dem der heil. Petrus und Marcellinus in ihrer Kirche, ist 
Cam pi so Tizianisch, dass er von Vielen mit Tizian selbst 
verwechselt werden ist. Dies war auch mit einem Auftritte 
aus der Leidensgeschichte im Dom, Christus vor Pilati Rich- 
terstuhl, der Fall, den man dem Pordenone zuschrieb, da 
er doch ausgemacht von Giulio ist. Endlich ist in einer 
heil. Familie zu S. Paolo in Mailand, besonders in dem Kinde, 
welches einen heil. Priilaten, der es mit Wohlgefallen betrach- 
tet, liebkoset, alle (He-natürliche Anniuth und alle die Kunst, 
welche einen Nachahmer Coreggioes bezeichnen kann. Das 
Bild ist allerliebst und wurde von dem berühmten Mantuaner 
Giorgio Chigi in Kupfer in gross Folie gestochen. 
Aber Giulio vernachlässigte über den grossen Malern 
die Natur nicht, sondern rathfragte und wählte sie, Dies tha- 
ten auch alle übrige von ihm geleiteten Campi. Man sieht 
bei ihnen ausgewählte Frauenköpfe, besonders nach der Natur, 
ja nach der heimatlichen Natur; denn sie sind auf eine Weise 
gedacht und bewegen sich so, wie nicht leicht andere; oft 
winden sie sich um Stirne und Haar ein Bändchen, wie man 
damals in der Stadt pflegte und noch heute in manchem Dorfe 
pflegt. Das Colorit dieser Köpfe kommt dem des'Paolo 
Veronese nahe. Im Ganzen beobachten die Campi unge- 
fähr die Farbenverthcilung, welche vor den Caracci in Ita- 
lien gewöhnlich war; aber im Anlegen und Beleben haben sie 
eine ihnen eigene Lieblichkeit, welche Scaramuccia ganz 
ureigenthiimlich fand. In Colorit also und Köpfen kann man die 
Campi nicht leicht von einander unterscheiden; leichter aber 
in der Zeichnung. Giulio iibertrilii: die übrigen in Grossheit 
und bestrebt sich, mehr Kenntnis des menschlichen Körpers, der 
Lichter und Schatten zu bewähren: an Richtigkeit übertrifft er 
die beiden Brüder, steht aber dem Bernardino nach.
        

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