Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1294502
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Oberitalien. 
Die dremoner SchuIeQ 
Geschichtchen, Kameen, Gypsarbeiten, Monochrome, Grottes- 
ken, Blumengehänge, Pfeiler mit goldenen Gründen, aus wel- 
chen anmutlaige Engelein mit Sinnbildern, wie sie dem Heili- 
gen dieses Altars angemessen sind, hervorspringen, kurz alle 
Malereien und Verzierungen sind das Werk Eines Geistes, zu- 
weilen Einer Hand. Dies trägt nun viel zur Einheit und folg- 
lich zur Schönheit bei; denn was nicht Eins ist, kann nicht 
schün seyn. Es ist ein grosser Nachtheil für die Kunst, dass 
diese Fertigkeiten jetzt so vereinzelt worden sind und für eine 
jede ein anderer Künstler gesucht werden muss; daher sieht 
man auch heutzutage in vielen Kirchen und Sälen so verschie- 
dene Prospeete, Geschichten, Verzierungen, dass nicht nur 
Eins das Andere nicht fordert, sondern manchmal ausschliesst, 
und daneben gewissermassen murrt und knirscht. Doch wir 
kehren zu Giulio Campi zurück. 
Er also legte unter Giulio Romano den Grund zu 
seinem Geschmaeke, und von ihm lernte er die Grossheit der 
Zeichnung, das Verständnis des Nackten, die Manniehfaltigkeit 
und Fülle der Ideen, die Pracht in Bauwerken, und die allsei- 
tige Fertigkeit, jede Aufgabe zu bearbeiten. Diese Meister- 
schaft stieg, als er nun Rom sah, dort Raffael und die 
alten Kunstwerke studirte, und die trajanisehe Säule, die im- 
mer als eine noch jetzt offenstehende Schule des Alterthums 
gegolten, mit wunderbarer Genauigkeit zeichnete. Dass er 
Tizian sehr achtete und wie jeden Auswärtigen nachabmte, 
weiss ich; nicht aber, ob in Mantua, oder. wo sonst. Zwei 
andere Muster, die er studirte, brauchte er nicht allssef dem 
Vaterlande zu suchen, Pordenone und Soj arg, in dessen 
Styl 91-, wie Vasari berichtet, malte, eh er Giulio kennen 
lernte und nachahmte. Auf dieser' Vorbereitung, Wozu noth- 
wendig das Copiren aller Raffaelschen und Coreggiscben Werke 
gehörte, beruhte nun der Styl, der etwas von vielen Künst- 
lern hat. Als ich die kurz zuvor erwähnte Margarethenkirche 
mit einem würdigen Künstler besuchte, bemerkten wir nicht 
wenige, bald einem oder dem andern seiner grossen Muster 
nachgeahmtc Köpfe; und oft, wenn man seine Arbeiten be- 
trachtet, iindet man, was Algarotti über die Caracci be- 
merkt, dass in einem ihrer Bilder ein Geschmack, irreingln 
andern ein anderer verwaltet. lm heil. Hieronymus im Dom
        

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