Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1294472
ILZeitr. Camillo Boccaccino. Il Sojaro. Die Campi. 
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nichts zu wünschen übrig gelassen. Ausserdem zeigte man 
noch vor nicht gar langer, Zeit auf einem Freiplatze zu Cre- 
mona eine Giebelseite mit einigen wenigen noch vorhandenen 
Figuren, welche Karl V. wunderbar ansprechen und viel Lob 
von ihm einürnteten. Noch sind die sehr schönen Bilder des 
Cistello und des heil. Bartholomüus dort vorhanden. 
Von Bernardino oder Bernardo Gatti  auf beide 
Arten unterzeichnete er sich  habe ich bei der Schule von 
Parma weitläufig gehandelt. Hier muss ich ihn wenigstens 
unter den besten Meistern Cremomfs erwähnen. Cam pi und 
Lapi machen ihn unbestreitbar zu einem Cremoner, Andere zu 
einem Verceller; ja man hält ihn für den Bernardo von 
Vercelli, der nach Pordenone zu S. Maria di Campagna in 
Piacehza malte, wie Vasari erzählt. Nach Andern stammt 
er aus Pavia und soll in der Kuppel des dortigen Doms sich 
unterzeichnet haben Bernardinus Gattz" Papiensis 1553!, wie 
der anderwärts von uns angeführte Graf Carasi berichtet. 
Mögen Andere die Streitfrage besser untersuchen; mir scheint 
es kaum glaublich, dass zwei gleichzeitige Schriftsteller sollten 
geirrt haben, die, kurz nach Bcrnardinvs Tode schrieben, 
als er noch im öffentlichen Andenken lebte, welches sie ja, 
wenn sie sich von der Wahrheit entfernt hätten, sogleich der 
Lüge zeihen konnte. Dazu kommt, dass Cremona von S0- 
jaro ziemlich viel Bilder hat, von seiner frühesten Jugend an 
bis in sein höchstes Greisenalter, als er achtzig Jahr alt und 
schon vom Schlage gelähmt mit der linken Hand malte. Und 
doch malte er noch damals für die Hauptkirche die funfzig 
Palmen hohe Himmelfahrt der Maria, welche, wie Lamo mit 
Recht sagt, obgleich er darüber starb und sie unvollendet 
liess, ein Wunderwerk ist. In Cremona blieb auch ferner 
sein Erbe und seine Familie, aus welcher ich zwei Maler an- 
führen kann, einen, der in der Geschichte berühmt ist, einen 
andern, der bis jetzt übergangen ward. Da. nun doch irgend 
ein Grund vorhanden seyn muss, warum der, Bernardino 
fast gleichzeitige, Biograph der Bischöfe von Pavia, S pelta, 
ihn zum Paveser machte, so lässt sich vielleicht die Streitfrage 
mit Dem, was er selbst sagte, lösen, dass nämlich unser Ma- 
ler aus Pavia stammte, oder Bürger daselbst, zugleich aber 
auch wohnhaft in und Bürger von Cremona gewesen. 
n. Bd. Z
        

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