Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1294461
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Oberitalien. 
Die cremoner Schule. 
Gewandung, neben Leonardo, Coreggio, Gaudenzio 
und den ersten Malern der Welt. Nach Vasari's Urtheil, 
über welchen die Cremoner so sehr schreien, ist Camillo ein 
guter handfertiger Mann, der, wenn ihn der Tod nicht vor der 
Zeit von der Welt genommen hätte, es zu einer ehrenvollen 
Höhe gebracht haben würde; der nicht viele, ausgenommen kleine 
und unbedeutende Arbeiten lieferte; von den Bildern in der 
Sigmundskirche fügt er hinzu, nicht dass sie das Beste in 
Cremona sind, sondern von den Cremonern dafür gehalten 
werden. Sie sind aber noch in der Kuppel, in der grossen 
Wandvertiefung und zu beiden Seiten des Hochaltars zu sehen. 
Die vorzüglichsten Stücke sind die vier Evangelisten sitzend, 
mit Ausnahme des Johannes, der stehend und mit gebogenem 
Leibe wie in der Gebiirde des Staunens eine dem Gewölbbogen 
entgegengesetzte Beugung bildet; eine in Zeichnung, wie in 
Perspective höchst berühmte Figur! Es ist kaum zu glauben, 
dass ein'Jüngling, ohne Coreggiws Schule zu besuchen, 
seinem Geschmack o nacheifern und in so kurzer Zeit ihn 
noch weiter treibenhkonnte, als er; denn dies mit so vollen- 
deter Einsicht in die Perspective und das von Unten nach 
Oben gefertigte Werk ward im Jahr 1537 ausgeführt. 
Berühmt sind auch in und ausser Cremona die beiden 
Seitenbilder, die Auferstehung des Lazarus und das Urtel über 
die Ehebrecherin, mit anmuthigen Verzierungen und einer 
Engelschaar, die zu leben scheint; sie spielen, der mit einer 
Mitra, jener mit einem Weihrauehgefäss, dieser mit einem an- 
dern Geriith. In beiden sind alle Figuren so gestellt und ge- 
wendet, dass man vielleicht nicht, Ein Auge sieht; freilich 
ein seltsamer Einfall, der nicht nachzuahmen wäre! Camillo 
wollte damit seinen Nebenbuhlern zeigen, dass eine Figuren 
nicht bloss, wie sie meinten, durch die lebhaften Augen, son- 
dern auch durch das übrige Gesanzte gelielen. Und in der 
That gefallen sie, wie auch immer gewendet, gar sehr durch 
Zeichnung, mannichfaltige und schöne Gebärdungen, Verkür- 
zungen, Wahrheit der Farben und eine Kraft des Helldun- 
kels, die ich aus Pordenone geschöpft glaube und wodurch 
die Bilder der Campi in der Niihe' niedergehalten werden. 
Hätte er_in den Köpfen der Erwachsenen mehr Wahl, in der 
Composition mehr Ordnung beobachtet, so hätte er vielleicht
        

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